Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1029109
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Zeit 1),  wie in einem Gedicht des 13. Jahrhunderts 
die Sonne angeredet wird 2): 
wol dir frowe Sunne 
du bist al der werlt wunnel 
Hieraus erklärt sich die interessante Kunstvorstellung, 
die als seltene Ausnahme hervorgehoben zu werden ver- 
dient, dass in einigen Sculpturen des in Rede stehenden 
Zeitalters die Sonne weiblich, der Mond männlich ge- 
bildet sind. Zuerst auf dem schon erwähnten (oben S. 73.) 
Elfenbeindeckel eines Evangeliarium zu Dresden aus dem 
10. Jahrhundert: neben den Kreuzesarmen erscheinen in 
Runden als Brustbilder, dem Gekreuzigten zugewandt, 
daher im Profil, links die Sonne weiblich, mit der Krone  
rechts der Mond härtig, mit der Sichel auf dem Haupt. 
Desgleichen sieht man sie auf dem Exterstein in West- 
phalen 3) zu Anfang des 12. Jahrhunderts bei der Kreuz- 
abnahme in Runden ebenfalls als Brustbilder, aber en 
face, vom Kreuze abgewandt: links die Sonne weiblich, 
mit sieben Strahlen um das Haupt, rechts den Mond männ- 
lich.  Ich knüpfe daran die Erwähnung, dass noch in 
einem spätern Denkmal, dem schon (oben S. 109.) ange- 
führten Kalenderbuch der Heidelberger Bibliothek um 1480, 
worin zwar die Sonne, wie gewöhnlich als männliche 
Figur sich zeigt, in der Abbildung des Mondes beiderlei 
Vorstellungen, die männliche und die weibliche Figur, 
einander gegenübergestellt vorkommen,  wie weiter- 
hin näher nachgewiesen wird. 
1) Jac. Grimm Deutsche Mythologie 2. Ausg. S. 666. 
2) Unter dem Tit. Warnung, v. 2019 f. in HaupVs Zeitschr. 
für d. Alterth. Bd. I. S. 494. Vergl. Jac. Grimm Ueber zwei 
neuentd. Gedichte, Philol. u. histor. Abhdl. der BerLAkad. 1842. 
S. 16. 
3) Worauf wir unten bei der Kreuzabnahme zurückkommen.
        

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