Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1029091
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auch grau 1) oder blauz) oder grünlich 3) oder braun 4) 
erscheint;  oder auch die Sonne braun und der Mond 
entweder blau 5) oder grün 6). 
Die Figur der Sonne wird regelmässig in männlicher, 
die des Mondes in weiblicher Gestalt gebildet 7), sowohl 
nach dem Vorgange der antiken Kunst, als zumal, auch 
abgesehn von solchen Vorbildern, nach Anleitung der 
lateinischen Sprache, die als Kirchensprache ihren Einfluss 
auch auf die Kunstvorstellung erstrecken musste, obgleich 
in Deutschland die einheimische Sprache dem widersprach. 
Und nicht allein diese, sondern in Uebereinstimmung da- 
mit auch die alterthümliche Vorstellung, welche als leben- 
dige Personification festgehalten wurde: denn von der 
heidnischen Verehrung, welche bei den alten Deutschen 
den beiden Himmelskörpern gewidmet war, erhielt sich 
als letzte Spur die Benennung Herr Mond und Frau Sonne 
bis tief in das Mittelalter, zum Theil bis in die neuere 
l) Bei der Kreuzigung erscheinen die Sonne roth, der Mond grau, 
als Köpfe im Evangel. Mitte des 9. Jahrhunderts in Paris,  
als Brustbilder im Messeanon 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts aus 
Metz in Paris,  als Gesichter im Psalter. 12. '13. Jahrh. 
zu Stuttgart. 
1') Die_Sonne eine rothe, der Mond eine blaue Figur bei der Kreuz- 
abnahme im Evange]. 11. Jahrh. zu München (Cim.  
a) Die Sonne ein rother, der Mond ein grünlicher Kopf bei der 
Kreuzigung im epternacher Evangel. '10. Jahrh. zu Gotha. 
4] Die Sonne ein rothes, der Mond ein braunes Gesicht bei der 
Kreuzigung im Psalter. 13. Jahrh. zu Bamberg. 
i") Die Sonne braun, der Mond grün mit gelben Lichtern, als 
Brustbilder bei der Kreuzigung im Sacralnent. 11. Jahrh. aus 
Minden in Berlin. 
ü) Die Sonne ein braunes, der Mond ein blaues Brustbild bei der 
Kreuzigung im Missale 11. Jahrh. zu München (Cim. 60.) 
7) Von Massmann Der Egsterstein S. 45. scheint dies als etwas 
Ungewöhnliches angesehen zu werden. 
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