Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1029010
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Uehel, die mit dem Bau der Welt verflochten sind, durch 
ihre Bewegungen viel Verwirrung und Aufruhr machen, 
So ziehen die Himmelslichter gewisse Vorhänge vor, um 
an jenem Gewühl keinen Theil zu haben; und die Finster- 
niSse seien eben dies Verhorgensein derselben hinter 
ihren Vorhängen." Das ist freilich kein astronomischer, 
wohl aber ein künstlerischer Gedanke: auch hat schon 
die Kunst des klassischen Alterthums, wie wir (oben 
S. 15 f.) gesehen haben, es unternommen, in solcher 
Weise, durch Verhüllung, die Abwesenheit der Lichtgott- 
heit zu versinnbildlicheu. Dieselbe Vorstellung ist dann 
von der christlichen Kunst angeeignet,  wie sie im 
vorliegenden Fall zum erstenmal und später bei derselben 
Gelegenheit so häufig erscheint 1).  
Jenes Naturerreigniss aber bei dem Tode Jesu kann 
nicht für zufällig gelten,  es giebt vielmehr davon 
Zeugniss, dass die Geschichte des Reiches Gottes in die 
Ordnungen der Natur eingreilt, dass die Natur nicht theil- 
nahmlos zu den grossen Epochen der heiligen Geschichte 
sich verhält. Und es wird in künstlerischer Ausführung 
demselben um so mehr eine sittliche Bedeutung unter- 
Ohne dass deshalb "eine uralte orientalische Denkweise, welche 
zwei Principien annimmt", darin ausgeprägt wäre, wie G0 etll ß 
dies aus der Stelle des Simplicius in Beziehung auf die ähnliche 
Vorstellung des Extersteins (s. unten) ableitet, Kunst u. Aller- 
thum Bd. V. H. I. S. 134 f. (S. W. 1830. Bd. XXXIX. S. 307 f.) 
Das Sich-Verhüllen der Himmelslichter, "wovon Simplicius spricht, 
deutet allerdings den Dualismus an, aber nicht durch die Lehre, 
dass sie von dem Uebel und dem Büsen auf der Erde sich ab- 
wenden, noch weniger durch die Erklärung, dass die Ver- 
linsterung durch Vorziehen gewisser Vorhänge entsteht, son- 
dern lediglich dadurch, dass das Böse als ursprünglich mit dein 
Bau der Welt verflochten und für jenes Sichabwenden ein Ge- 
gensatz der Priucipieil vorausgesetzt wird. In der christlichen 
Vorstellung aber finden nur die beiden ersteren Momente sich 
wieder.
        

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