Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1028741
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S. 46. Der Abgrund. 
An die Personification des Meeres, welche neben 
der der Erde in Denkmälern vom 9. bis zum 13. Jahr- 
hundert eben mehrmals vorgekommen ist, schliessen sich 
die in der christlichen Kunst schon früher häufig darge- 
stellten Flussgötter an,  von denen aber erst weiter- 
hin die Rede sein soll. 
Hier jedoch nach der personificirten Darstellung von 
Himmel und Erde gedenke ich noch des Abgrundes, der 
in Gemälden eben jenes Zeitalters einigemal in Person 
vorgestellt ist. 
1. Der Abgrund oder die Tiefe wird in der heiligen 
Schrift im Gegensatz gegen den Himmel als eine der 
Dimensionen und Gegenden des Baumes aufgefasst,  
wie schon gleich zu Anfang nach dem Spruch von Er- 
schaffung des Himmels und der Erde, der Tiefe gedacht 
wird (des Abyssos,  wenigstens nach den LXX), auf 
welcher Finsterniss war (1 Mos. 1,  Und da zwischen 
dem Himmel und der Tiefe Erde und Meer sind, so wird 
die ganze Welt als Schauplatz der Allmacht des Herrn 
durch diese vier Räume bezeichnet: „alles was Jehova 
will, thut er, im Himmel und auf Erden, im Meer und 
in allen Tiefen" (Ps. 135,  Andererseits wird dem 
Himmel der Abgrund entgegengesetzt in der Bedeutung 
der Unterwelt als Ort des Todes (Böm. 10, 6. 7.) und 
des Verderbens (Offenb. 20, 1. 9, 1.  In diesem 
Sinn scheint jener Abgrund aus der Schöpfungsgeschichte 
aufgefasst zu sein, wie er mit Andeutung der Personi- 
fication in einem Denkmal der spätern christlichen Kunst 
ausgeführt ist. 
In der ersteru bloss räumlichen Bedeutung aber be- 
zieht sich der Abgrund sowohl auf die Erde als das 
Meer, indem er von den Tiefen beider gebraucht wird. 
ln tropischer Rede jedoch nähert sich diese Bedeutung
        

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