Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1028673
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eines Wallfisches sitzend und eine Urne haltend, woraus 
in zwei Armen das Wasser sich ergiesst, zeigt die 
himmlischen Gewässer an, welche das Meer speisen 1); 
das Heer aber erscheint als eine männliche Figur, ganz 
bekleidet, auf dem Wallfisch reitend, dessen Zügel an 
ihrem rechten Arm befestigt scheint, während sie in der 
Fechten Hand 2) einen Nachen mit viereckigem Segel 
hält (ähnlich wie die Figur des Meeres beim jüngsten 
Gericht in griechischen Fresken, S. oben S. 83). Das 
ist also das Meer, welches grosse Wallfische erregt 
(1 Mus. l, 21.) und Schiffe trägt: da aber der Wall- 
iisch in dessen Tiefe hinabgeht, während der Nachen 
auf der Oberfläche schwimmt; so scheint das personifi- 
cirte Meer, welches aufjenem sitzt und diesen hält, durch 
beide Attribute charakterisirt zu werden, wie es den 
Meeresgrund mit der Meeresiläche, den Raum ausfüllend, 
verknüpft.  Dagegen sind solche Personificationen ver- 
mieden in den Sculpturen der Kathedrale zu Chartres, auch 
aus dem 13. Jahrhundert, welche das ganze Schöpfungswerk 
umfassen,  obwohl Gott Vater stets in ganzer mensch- 
licher Figur dabei erscheint. Nehmlich in dem Werk des 
dritten Tages, der Scheidung von Erde und Meer, sieht 
man nicht diese selbst in Person (wie in altern Miniaturen 
desselben Gegenstandes, s. oben S. 80 f), sondern nur 
Kräuter und Baume angegeben, welche dem Erdboden 
cntspriessen 3). Eben so ist das Werk des ersten und 
 Als llimnlelszeichen kann er schwerlich das (süsse) Flusswasser 
anzeigen (wie Didron a. a. O. p. 106. mit Rücksicht auf das 
Attribut der Urne annimmt) im Gegensatz gegen das (salzige) 
Meerwasser, welches hier durch die Figur des Ocean repräsen- 
iirt sei. Vielmehr repräsentirt der Ocean die Gewässer der 
Erde überhaupt. 
z) Nach der Beschreibung von Dnchalais hält das Meer in der 
einen Hand den Zügel, in der andern das Schilf. 
1;) Abgeb. bei Didron l. c. p. 109.
        

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