Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in’s sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1027018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1028442
82 
lassung gegeben, die Personification von Erde und Meer 
einzuführen. Zwei Momente sind es, hervorgehoben in der 
alttestamentlichen und in der neutestamentlichen Weis- 
sagung, an welche dieselbe anknüpft. Erstens die Weis- 
sagung, dass ein neuer Himmel und eine neue Erde geschaf- 
fen werden (Jes. 65, 17. Offenb. 21,  dass auch die 
Creatur, jetzt der Eitelkeit unterworfen, frei werden soll von 
der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen 
Freiheit der Kinder Gottes (Röm. 8, 20. 21). Dies ist auf- 
gefasst in den Mosaiken der Kathedrale zu Torcello 1), in 
welchen man unterhalb des thronenden Christus aufeinem 
Altar das Buch des Lebens sieht und zu beiden Seiten des- 
selben Engel, welche die Posaune zur Auferstehung blasen; 
neben ihnen ist die Auferstehung aller Creatur: links 
vierfüssige Thiere, welche sich erheben, rechts das Meer 
mit Fischen: in demselben erscheint aber auch ein nacktes 
Weib mit einem Füllhorn in der Linken als Personi- 
fication desselben, oder vielmehr von Land und Meer, 
der neuen Erde. Darunter erblicktman das jüngste Gericht. 
Bei Darstellung desselben oder vielmehr der Wieder- 
kunft Christi in griechischen Fresken ist eben so das 
andere Moment berücksichtigt, die Schilderung von dem 
Meer und der Unterwelt, welche ihre Todten herausgeben 
zum Gericht (Offenb. 20,  So erscheint die Erde 
in dem jüngsten Gericht, welches die Grahkapelle des 
Klosters des h. Gregorius auf dem Berge Athos schmückt 2): 
1) Abbild. auf einem Blatt aus einem schon vor längerer Zeit pro- 
jectirten Werk: Il Fiore di Veneja; wovon ein Abdruck, im Be- 
sitz des Herrn Prof. Waagen, mir zu Gesicht gekommen ist. 
9) Didron lltlanuel rfieonogr. chret. grecq. et lat. p. 275. not. 
Auch in dem jüngsten Gericht in der Kirche dieses Klosters 
kommt die Erde vor, ein königliches Weib, sitzend zwischen 
brüllenden Löwen, die auf einem Drachen liegen: in der Linken 
hält sie eine lange Schlange, in der Rechten einen grossen 
Kelch. woraus sechs Vipernköpfe hervorkommen. lbid. p. 267.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.