Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1001170
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Unterkleider 
Auf den Monumenten linden wir diese Unterkleider nie dargestellt; 
sie sind durch die Rüstungen völlig verdeckt und so können wir uns 
von ihrer Form auch keine rechte Vorstellung machen. Besonders 
fraglich ist es, was es mit einem auf den Siegeln oft 
er qf 7' bemerklichen Kleidungsstücke für eine Bewandtniss 
 hat, das unter dem Halsberc getragen wurde, aber 
 bedeutend länger war und zuweilen weit, fast bis zu 
 den Füssen, herabreicht. Demay nennt es seconde 
 tunique, und es scheint in der That (Fig. 10) ein 
 leichter Rock gewesen zu sein, der über das Wams 
 und Zubehör angelegt wurde, vorn und hinten aufge- 
 lli schnitten War, um beim Reiten nicht zu incommodiren, 
Ü  aber aus einem dünnen Stoffe bestand und also mehr 
 zur Zier als zum Schutze diente. Den Namen dieses 
 Kleidungsstückes zu ermitteln, ist mir nicht gelungen. 
mnm ilostemelh Demay findet dasselbe schon auf dem Siegel des 
 Dietrich von Elsass, Grafen von Flandern, 1128 dar- 
gestellt, dann auf dem Siegel Wilhelnfs II. Grafen von Nevers 1140 
(vgl. Taf. H,  das über dem Halsberc angelegte Waifenhemd 
weist er 1211 auf dem Siegel des Gaucher de Joigny nach. Nach der 
Abbildung bei Sava (p. 236, Fig. 23) hat Leopold der Glorreiche 
(1194-1230) noch auf einem Siegel von 1217 dies Unterkleid an, 
später trägt auch er den Waifenrock über der Rüstung. Von den 
schlesischen Herzögen hat Heinrich I. (1201-38) diesen langen Rock 
unter dem Halsberc angelegt, während sein Sohn Heinrich H. (1238-1111) 
den Waffenrock trägt1). Richard Löwenherz ist auf seinen grossen 
Siegeln (bei Hewitt, a. a. O., Titelblatt) noch der älteren Mode 
entsprechend gekleidet (Fig. 11); Johann dagegen (ibid. p. 228) hat 
schon die neuere Form des Waffenrockes gewählt. Es scheint also, 
dass gegen 1210 die Sitte, ein lang bis zu den Knieen, ja bis zu den 
F üssen herabreichendes Kleid unter dem Halsberc zu tragen, zuerst in 
Frankreich, dann in den anderen civilisirten Ländern aufgegeben wurde. 
Ueber die Unterkleider zog man nun die Brünne oder den Hals- 
berc. Wie diese beiden Arten von Rüstungen sich möglicher Weise 
unterschieden, habe ich schon auseinander gesetzt; in ihrer Form 
Waren sie wahrscheinlich einander sehr ähnlich. Es ist also, wie die 
Monumente zeigen, ein mit Ringen benähter oder aus verschlungenen 
Ringen hergestellter Rock, der den ganzen Oberkörper umschloss, 
Schultz, 
die schlesischen 
Siegel.
        

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