Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005054
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Verfall 
des Ritherthums. 
noch viele Beispiele solcher Stiftungen anzuführen. Manche Familie 
hat sich der Kirche gradezu geopfert. Graf Otto von Botenlauben, 
der bekannte Minnesinger, gründet 1231 das Kloster Frauenrode; seine 
Gemahlin Beatrix 1) trennt sich von ihm und wird Wahrscheinlich 
Nonne. Der jüngere Sohn Heinrich widmet sich dem geistlichen Stande 
und wird Canonicus im Stifte St. Johann zu Hang bei Würzburg; der 
ältere Sohn Otto heirathet Adelheid, die Erbtochter der reichen Familie 
von Hiltenberg; aber auch er scheidet sich 1231 von seiner Gattin, die 
ins Marcuskloster zu Würzburg eintritt, und wird Deutsch-Ordens- 
Ritter, später Provisor des Klosters Frauenrode. Der letzte Graf Boten- 
lauben, der Sohn des jüngeren Otto, ist schon 1234 Chorherr in 
Würzburg. Die bedeutenden Güter und Besitzthümer des Botenlauben- 
sehen und Hiltenbergschen Geschlechtes fallen theils an Klöster, theils 
an das Bisthum Würzburg; die Familie selbst erlischt (Ludw. Bech- 
stein, Geschichte und Gedichte des Minnesingers Otto von Botenlauben, 
Lpz. 1845). Je reicher die Kirche wurde, desto mehr verarmte der 
Adel. Auch die alten aristokratischen Klöster der Benedictiner, Cister- 
cienser, Praemonstratenser treten mehr in den Hintergrund, während 
die mehr bürgerlichen volksthümlichen Orden der Bettelmönche an 
Bedeutung und Macht zunehmen. Die Höfe der Fürsten, die früher 
dem besitzlosen Ritter eine Zuflucht gewährt hatten, wo dieselben 
freigebig bei allen Gelegenheiten Geschenke erhielten, waren auch 
sparsam und karg geworden, konnten der Ritterschaft nicht mehr wie 
früher aufhelfen und ihren Glanz aufrecht erhalten. Friedrich Bar- 
barossa hatte noch glänzende Feste veranstaltet, Prunk gezeigt, mit 
offener Hand gespendet: unter seinen Nachfolgern war es schon schwer, 
etwas zu erhalten; entweder sind sie, wie Heinrich VI. und Friedrich Il., 
selten nach Deutschland gekommen und haben mehr in Italien Hof 
gehalten, oder sie waren, wie König Philipp, nicht so leicht (wenn 
wir Walther voli der Vogelweide glauben dürfen) zum Geben bereit. 
Auf den prunklielaenden Richard Löwenherz war der habgierige Johann 
gefolgt, und auch in Frankreich scheint mit den Albigenserkriegen 
eine Zeit, die dem Ritterthume minder hold war, zu beginnen. Alle 
die angedeuteten Factoren wirkten zusammen, den Verfall des Ritter- 
thumes zu beschleunigen. Die Noth zwang die Edelleute, die einen 
gewissen Luxus als für ihren Stand berechtigt ansahen, weniger 
geistigen als weltlichen Interessen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. 
So verlieren sie zunächst die hervorragende Stellung, die sie als Führer 
Vgl. 
Fi8' 
2Ü51
        

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