Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005047
Mit dem Beginne des vierzehnten Jahrhunderts ist diese interessante 
Periode abgeschlossen. Schon seit der Mitte des dreizehnten Jahr- 
hunderts tritt der Adel mehr und mehr zurück; er ist nicht n1ehr in 
dem Grade wie ehedem der Repräsentant der höüschen Dichtkunst; 
fortan wird dieselbe fast ausschliesslich von bürgerlichen Dichtern ge- 
pflegt. Das bürgerliche Element der Städter macht sich geltend. Die 
Ideale, die früher den Ritter begeisterten, verblassen und an ihrer 
Stelle tritt immer mehr eine auf den reellen Nutzen hinstrebende 
Sinnesart 
hervor. 
Das 
Schönheits- 
und 
Luxusbedürfniss 
lebt 
dem 
Ritterstande noch fort: er ündet aber nicht die Mittel mehr, dasselbe 
zu befriedigen. Das Familienbesitzthum schmilzt mehr und mehr zu- 
sammen, da bei jedem Vernlächtniss schon Anstands halber die Kirche 
bedacht werden muss. In früheren Jahrhunderten hatte es nicht viel 
auf sich gehabt, wenn man der Kirche weite Strecken unbebauten 
Wald- und Wiesenlandes zum Geschenk machte; jetzt war ein solcher 
Besitz nicht mehr werthlos; bei- den theuren Preisen, die für unent- 
behrliche Luxusbedürihisse gezahlt werden mussten, bei dem geringen 
Werth, den die Erzeugnisse des Feldbaues repräsentirten, musste ein 
Edelmann schon ein grosses Besitzthum haben, wollte er von dessen 
Ertrage standesgemäss leben. Viele Güter waren verschuldet; die 
Väter hatten, um sich Geld zum Kreuzzuge zu schalten, sie verpfändet 
oder mit Schulden belastet. Andere Familien schenkten ihre ganze 
Habe der Kirche, stifteten Klöster und beschlossen selbst im Kloster 
ihr Leben. S0 gründete Graf Ludwig von Arnstein 11.39 in seinem 
Stammschlosse an der Lahn ein Praemonstratenserstift, überwies ihm, 
da er kinderlos war, allen seinen Besitz und starb als Laienbruder in 
dem Kloster; seine Gattin Guda lässt sich in der Nähe des Klosters 
eine Zelle bauen und bleibt bis zu ihrem Tode in derselben als Reclusa 
(Vita Lodewici Comitis de Arnstein). Es würde nicht schwer sein,
        

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