Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1001123
Unterkleider. 
hinauf. Um die Lenden war ein Gürtel (Lendenier) gelegt, an den 
die beiden Hosenbeine befestigt wurden 1). Wurde der Lendenierstrick 
zerhauen, so fielen die Eisenhosen herunter und entblössten das BeinQ). 
Eine Hose hat jedenfalls der Ritter noch unter diesem Rüstungsstück 
getragen; die schweren Eisenringe würden sonst die Haut durchge- 
scheuert haben. Aber bloss war das Bein sobald die Eisenhose 
hinunterrutschte trotzdem, da es nun gegen Hieb und Stich nicht 
mehr gesichert war. Den oberen Theil der Beine und den Unterleib 
deckte jedenfalls auch wie bei der Civiltracht die Niderwät; König 
Ludwig der Heilige lässt sich (wie Joinville erzählt), als er im heiligen 
Lande von heftiger Dyssenterie befallen wird, seine Hosen soweit auf- 
schneiden, dass er, ohne vom Pferde herabzusteigen, bei einem Anfall 
demselben Genüge thun konnte 3). Auch die Rücksichteu der Schick- 
lichkeit verlangten schon ein solches Unterkleid, da  häufig bei 
Turnieren ein Ritter rücklings aus dem Sattel stürzte und den an- 
wesenden Damen doch kein Aergerniss gegeben werden durfte (Parz. 535, 
19-24). Mochte aber dieses Unterkleid auch noch so anständig sein, 
schützen konnte es den Ritter im ernsten Streite nicht; der Feind hob, 
wenn er den Gegner gefallt und kampfunfähig gemacht hatte, ihm die 
Schüsse des Waifenrocläes auf und bohrte ihm das Schwert in den unge- 
deckten Unterleib 4). Deshalb haben einige Ritter auch Rock und 
Hose aus einem Stück gefertigt-t); sie müssen in dieser, jedenfalls 
-hinten nugeschnürten Rüstung ausgesehen haben, wie unsre Knaben in 
1) Cröne 2857: Als" nü der harnzmsch bräht wart, Her Keii ez niht langer 
spart, Er gurte den lendeniere. Dar nach wart er schiere In sin isergolzen ge- 
schuoht.  Moriz von Craon 838: Ein harte gnoten lendenier Den bunt er umbe 
die huf Und nestelte die hosen cirüf. 
2) Willeh. 78, 26: Daz ors mit hurte in näher hruoe, Dez die rienien vorme 
knie Brästen dolt unde hie. Ame lendexiier sie entstricket wart Von der hur- 
teclichen vart, Diu iserhose sanc üf den Sporn, Des Wart sin blankez bein verlorn. 
Halsperges ger und kursit Und der schilt an der selben zit Wärn drab geruct, 
deiz bein stuont blöz.  Guill. d'Orenge V, 1670: Voient Termine qui pent vers 
Pestrivieie Et de su. chauce iert route 1a lasniere; Gele de fer, dont 12b nlaillß estoit 
chiere, Sor Pesporon ert renversee zuiere. Sa chzmuce pert qui ifestoit pas entiere. 
3) Joinville 306.  
4) Ecken liet p. 140, 10: Er 111101) im üf die slitze, Die wären beid von golde 
röt, Er stach daz swert durch Ecken.  Cleomades 11519: Ä Dllfbim 019 16 pan 
leve Dou hauberc et Feüst tue.  Auberi p. 232, 4: Si li souslieve le blanc hau- 
berc saffre Je li eust le brant el cors beute.  Matth. Par. 1234: Qüomln 1111118 VidßnS 
occiduam  minus arniis eommunitam percussit eum in posteriora loriczuu 
Sublevando cum quodam genere eultelli, quod vulgariter anelacius nuncupatur. 
5) Wilh. Brito, Philippid. XI. (Duchesne V, 239): Hic ocreis ubi se iungit 
lorica volebat Immisso comiti vitalia, rumpere ferro. Sed thorax ocreis consuta 
patere cultello Indissuta negans Cornuti vota fefellit.
        

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