Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004947
Grabplatten. 
Tumba. 
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die Grabschriften in der Regel sehr lang und ausführlich 1), in Wirk- 
lichkeit befleissigte man sich jedoch der grössten Kürze. Auf dem 
Grabstein des Herzogs Friedrich des Katholischen von Oesterreich 
(T- 1198) zu Heiligenkreuz sehen wir ein Kreuz abgebildet und die 
Inschrift eingehauen: (T) XVI 'KL -MAll  G)  FRIDERIC)  DVX 
AVSTRIE. Auf einer anderen ebenfalls in Heiligenkreuz befindlichen 
Platte sind die Grabschriften zweier österreichischen Herzoginnen 
Gertrud (T 1226) und Richardis (vermählt 1225 mit Herzog Heinrich V.) 
eingehauen; am äusseren Rande lesen wir: T XIIII  KL -MAII- 
O  GERDRVDIS  DE  BROVNSWICH  DVCISS  AVSTRIE  am 
inneren Rande: VI- K  MART  G)  RICHARDIS -LANTGRAVIA  DE  
WALTHERSTORF 2). Auf dem in vieler Hinsicht merkwürdigen, 
mir noch immer nicht ganz unverdächtigen Grabsteine des Ulrich von 
Lichtenstein zu Frauenburg in Steiermark steht die Inschrift: HIE LEIT 
VLRICH  DISES  HOVSES  REHTTER  ERBE 3). Eine noch reichere 
Verzierung erhielt die Grabplatte, wenn auf ihr die ganze Gestalt des 
Verstorbenen mit vertieft eingehauenen Contouren dargestellt war. In 
der Stephanskirche zu Naumburg an der Saale ist ein solcher Grabstein, 
der des Bischofs Riwinus (T 1125), erhalten 4). Merkwürdig erscheint 
auch das in der Marburger Elisabeth-Kirche befindliche Denkmal des 
Landgrafen Heinrich des Jüngeren (T 1298), da in den vertieften Um- 
rissen noch Spuren bunter Bemalung sichtbar sind (v. Hefner, Trachten 
d. MA. I, Taf. 81). Besser als in die Steinplatte liess sich die Zeich- 
nung in Messingtafeln eingraben. Diese fein gravirten Messingplatten 
wurden auf dem Steine befestigt oder in denselben eingelassen und 
die eingeschnittenen Contouren durch Ausfüllung mit einem dunklen 
oder farbigen Kitt noch deutlicher hervorgehoben. Das älteste Denkmal 
dieser Art ist nach Otte (a. a. O. 335) der Grabstein des Bischofs lso 
im Dome zu Verden. In der Klosterkirche zu Leubus finden wir das 
Grabmal des Herzogs Przemislaw von Steinau (T 1289)5). 
Alle diese Grabdenkmäler sind ganz flach gehalten; sie wurden in 
das Pflaster der Kirche eingefügt und durften nicht störend Wirken- 
Eine andere prächtigere Art von Epitaphieil sind die sogenannten 
Tumben. Ueber der Grabstätte wurde ein viereckiger Bau aufgerichtet. 
obe Beide von sime lobe, Wie er lop gewunne Von sime kunne Und von andere 
siner bidervekeit, Als do was gewonheit. 
1) Vgl. Eneit p. 254, 16. 
2) Mihth. d. k. k. Commission XVIII, S. 120. 
3) Abgeh: Mitth. d. k. k. Comm. XVll, S. CIII. 
4) Abgely: Otte, a. a. O. S. 234. 
5) Abgeh: H. Luchs, Schlesische Fürstenbilder des MA. (Breslau 1872) Taf. 14,
        

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