Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004909
Todtenwacht. 
Tocltenkleid. 
Sarg, 
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pervia universa) brauchte. Die Leiche wird in das Kloster Fürstenfeld 
gebracht. „Ich habe nie gesehen und werde nie eine so kostbare und 
feierliche Leichenbestattung sehen. Wenn ich Alles ausser Acht lasse, 
so kann ich nicht einmal schätzen, wie viel an Wachs verbraucht 
worden ist. Ich habe einen grossen Wagen gesehen, der allein Wachs 
(Kerzen) herbeibrachte. Zwei Tage und zwei Nächte brannten um 
des Paradebett (funus) zahllose und sehr grosse Kerzen. Wie viele 
Fässer Wein, Getreide, Futter, Brot und anderer mitgebrachter Dinge 
verbraucht worden ist, kann man nicht leicht klar machen. Alle 
Scheunen und die benachbarten Städte waren voll von Fremden. Die 
Beamten vertheilten auch auf den Wink des älteren Herzogs reichliche 
Almosen von Brot, Käse, Geld und Fleisch an die Armen. An dem 
Begräbnisstage Wurden, wie ich gesehen und gehört habe, an einem Altar 
unmittelbar nach einander drei Messen von drei Bischöfen gesungen. Zu 
gleicher Zeit erhob sich Klage und Jammer von seinen Alters- und Tisch- 
genossen; einige rauften sich die Haare aus, andere zerrissen ihre Kopf- 
bedeckungen. Was mehr? die ganze Kirche erschallte von dem Jammer- 
geschrei und den Klagen über den unglückseligen Todesfall. Nach 
Beendigung derBestattung kehrte Jedermann in seine Behausung zurück." 
S0 lange die Leiche noch öiientlich ausgestellt war, hielt man des 
Nachts bei ihr die Todtenwacht 1). 
Bei der Beerdigung legte man die Leiche in einen Sarg. Sie war 
in ein Todtenhemd gekleidet; die h. Elisabeth nähte mit eigner Hand 
die Todtenkleider für arme Leute 2). Der Sohn Heinrichs II. von Eng- 
land, Heinrich, der schon zum Könige bei Lebzeiten seines Vaters 
gesalbt worden war, starb 1183. „Seine Leiche aber wurde in die 
leinenen Kleider, die er bei seiner Weihe trug und die mit dem 
heiligen Chrisma benetzt worden waren, wie es einem König ziemte, 
eingehüllt und nach Rouen gebracht" (Matth. Paris). Die Särge 
waren entweder von Holz oder bei vornehmeren Leuten von Stein. 
Die Holzsärge sind einfache Kisten (quatuor tabulae, sicut solent üeri 
in loculis mortuorum. Translat. s. Udalrici 1183; MG. VI, 427). Aehn- 
liche Gestalt haben auch die steinernen Särge. Wir haben deren noch 
eine ziemliche Anzahl gut erhalten. S0 besitzt das Museum des 
Thüringisch-Sächsischen Vereins zu Halle einen solchen Sarg, der am 
1) Herz. Ernst D 1251: Da, wart der re zcu reste bracht Und wart bewachet 
W01 die nackt, Des morgens lies er yn begramben. 
2) H. Elisab. 3804: Den doden ir gecleide Nzbde selbe unde schriet; 3812: Di 
reine frouwe ouch hatte Ein weppe lanc ze fromen wiz: Her ane si legte iren fliz, 
Wi si daz gesnide Unde da becleite mide, Waz anner lude sturben.
        

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