Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004867
Einbalsamirung. 
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war es bei dem Tode des Königs Johann von England 1216: "Sein 
Gesinde nahm plündernd Alles, was er bei sich gehabt hatte, fort 
und iioh eilends; sie liessen bei der Leiche nichts zurück, womit 
man sie anständig bedecken konnte, aber sein Castellan (im Sehlosse 
Neuwerc, wo der König starb) sorgte, so gut er konnte, für den aus- 
geweideten und nackten Leichnam." 
Die Leiche eines vornehmen Mannes wurde alsbald geöffnet und 
einbalsamirt. Diese Arbeit übernahm gewöhnlich der Leibarzt 1) oder 
ein in der Medicin erfahrener Geistlicherz). Die Einbalsamirung des 
1135 verstorbenen Heinrich l. von England besorgte ein FlGlSCl161f3), 
machte aber seine Sache sehr schlecht, da er den Körper nur mit Salz 
einrieb und so der Verwesung nicht hinreichend vorbeugte. Matthaeus 
Paris (1135) berichtet: „Die Leiche des Königs Heinrich war aber 
noch unbeerdigt in der Normandie, denn er war am ersten December 
gestorben. Sein Leichnam wurde nach Rouen gebracht, und da begrub 
man seine Eingeweide, sein Gehirn und seine Augen. Der übrige 
Körper wurde überall mit kleinen Messern geschnitten, mit vielem 
Salze bestreut, in Rindshäute gehüllt und so, um den üblen Geruch 
zu vermeiden, eingenäht. Aber letzterer war doch so stark und bewäl- 
tigend, dass er die Umstehenden krank machte. Darum starb auch 
der Mann, welcher, durch eine grosse Belohnung gewonnen, des Todten 
Haupt, damit man das stinkende Gehirn herausnehme, mit einem Beile 
gespalten hatte, obschon er sich den Kopf mit Leintilchern umwickelt, 
und hatte schlechte Freude an dem Lohne. Das ist der letzte von 
Vielen, die König Heinrich umgebracht hat. Darauf wurde die könig- 
liche Leiche nach Caen von den Dienstleuten getragen, und als man 
sie dasellast in der Kirche, in der sein Vater beerdigt war, aufgestellt 
hatte, so üoss doch, obschon der Körper mit vielem Salze gefüllt und in 
viele Häute gepackt war, beständig eine schwarze und grässliche 
Flüssigkeit durch die Häute hindurch und wurde in unter die Bahre ge- 
stellten Gefässen von den Dienern, die vor Ekel vergingen, aufgefangen 
und iortgeschüttet." 
1) Gosta Adalberonis, nrchiepiscopi Trevir. (T 18. Jan. 1152), auch. Balderico 28: 
Corpus vero myrm et aloe et inromzmtibus conditunl a medico suo peritissilno Phi- 
lippo Lombardo. 
2) Matth. Paris 1216: Abbas igitur canonicorum Crokestonine laeritissilnus in 
luedicinis, qui nleclicus regis (Johannis) tunc temporis exstiterznt, fzucta anathomia 
de corpore regis, ut honestius porturetur, viscera copioso sale conspersa. in sua 
domo transportata honoriüce fecit sepeliri. 
3) Ord. Vit. XIII, 19: Ibi noctu a. perito carnifice in archipraesnlis conclavi 
pingue cadaver npertuln et balsanlo snavolenti conditnnl est. 
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