Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004822
Abnehmen 
Kräfte. 
Ruhe 
im Alter. 
Busse für 
Jugendsünden. 
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Der einzelne Ritter, der kleine Dynast, konnte sich die Ruhe des 
Alters gönnen, sich seiner heranwachsenden Kinder erfreuen, in seinen 
Söhnen und Enkeln die eigene Jugend wiedererstehen sehen. Die 
grossen Herrscher aber müssen bis zu ihrem Lebensende ihren Pflichten 
genügen, zum Kriegszuge bereit sein, immer ihrer Ritterschaft das 
beste-Beispiel der Pflichttreue und der Ausdauer geben. Ihnen ist 
keine Erholung beschieden; sind sie nicht durch einen Feldzug in An- 
spruch genommen, so ziehen sie ohne Rast von einer Stadt zur andern 
in ihrem Reiche umher, ihres hohen Berufes wartend. Und mit ihnen 
reist der ganze Hofstaat; so führen sie ein Wanderleben, bis auch 
ihnen der Tod endlich die im Leben versagte Ruhe laereitet. ln den 
Romanen wird öfters erzählt, dass Könige, sobald sie ihren Erben ver- 
heirathet haben, ihm die Regierung übergeben und sich ins Kloster 
zurückziehen, um die letzten Jahre ihres Lebens für ihr Seelenheil 
thätig zu sein. Die Geschichte bietet jedoch, meines Wissens, kein 
Beispiel einer solchen Entsagung. 
Für Jeden kam aber wohl bei herannahendeni Alter die Stunde, wo 
er sich fragte, was dereinst nach dem Tode aus seiner Seele werden würde. 
So lange er noch jung und genussfähig War, hatte er allerdings so viel wie 
möglich allen Anforderungen der Kirche genügt, aber die Freuden, welche 
die Welt ihm bieten konnte, nicht verschmäht und so Manches gethan, 
was mit den göttlichen Geboten nicht recht zusammenpasste. Jetzt 
im Alter iielen ihm alle seine längst vergessenen Sünden wieder ein 
und die Furcht vor den Höllenstrafen regte sich. Sahen doch die 
Leute an den Kirchenportalen und in den Kirchen selbst, plastisch 
oder in Gemälden häufig genug die Auferstehung, die Prüfung der 
Seelen, das jüngste Gericht und den Höllenracheil dargestellt, in dessen 
Schwefelpiiihl scheusslich gestaltete Teufel die Sünder peinigten und 
für ihre Vergehungen straften. Und so aufgeklärt war man damals 
denn doch nicht, die Existenz der Hölle und der Teufel anzuzweifeln, 
vielmehr glaubte man felsenfest an dieselben und wir können uns 
die Angst eines Menschen vorstellen, der seiner Sünden bewusst sich 
sagen muss, dass er den Höllenstrafen wohl- nicht entgehen werde. 
Da konnte nur Busse helfen, und so entsagen denn oft in den Romanen 
die Ritter plötzlich dem Wohlleben, gehen ins Kloster oder ziehen 
sich in die Einsamkeit zurück. Der Vater des Doon de Mayence wird 
Einsiedler, später Doon selbst (Gaydon p. 313). Gaydon geht nach 
dem Tode seiner Gattin in eine Einsiedelei (Gaydon p. 327). Lzinceloet 
tritt in ein Kloster, und dasselbe thun Hestor und Bohort (Lanc. IV, 
12749 H1; 12820 if; 13005 ff.)  Nach Chrestieifs de Troyes Dar-
        

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