Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1001102
Brünm 
u n d 
Halsberc 
stehen; der Halsberc wird. immer nur aus Ringen 
ein Unterschied muss doch vorhanden sein. 
hergestellt. 
Aber 
Demay in seinem vortrefflichen Werke „Le costume de guerre et 
dlapparat (Tapres les sceaux du moyen-age (Paris 1875)" erklärt die 
Brünne (afr. broigne) für ein Waflenhemd aus Leder oder dickem Zeug- 
stoff, auf welches Metallplatten oder Ringe aufgenäht sind; der Hals- 
berc besteht seiner Ansicht nach aus einem Ringgeflecht, d. h. es sind 
die Ringe nicht neben einander genäht, sondern mit einander verkettet. 
Diese Erklärung hat meines Erachtens viel für sich: die ältere Art 
der Rüstung ist die Brünne, die jüngere, kostbarere der Halsberc. 
Eisenringe zu schmieden ist jedenfalls die ältere Zeit im Stande ge- 
wesen, und wenn man das verstand, so konnte man auch die Ringe 
verflechten; dass die Kunst des Drahtziehens erst im vierzehnten Jahr- 
hundert erfunden worden ist, kann in dieser Frage immerhin nicht so 
entscheidend sein, wie dies Karl von Sava (die Siegel der österr. 
Regenten. lVIitth. IX, 1). 185) zumimmt. Das von Hewitt (Ancient 
armour I, 63) mitgetheilte Räthsel des Bischofs Aldhelm, der im elften 
Jahrhundert lebte, beweist, (lass man schon ein Jahrhundert vor der 
uns hier interessirenden Zeit Ringpanzer herzustellen verstand. Wir 
müssen nun aber immer das Eine i1n Auge behalten, dass in jenen 
Jahrhunderten eine solche Neuerung sehr langsam erst sich Bahn 
brach, dass neben den neuen Rüstungen noch sehr lange die alten 
getragen Wurden, und so möchte ich denn die meisten Rüstungen, die 
an Denkmälern des dreizehnten Jahrhunderts vorkommen, und an 
denen man deutlich eine in Streifen geordnete Textur wahrnimmt, für 
Brünnen halten, d. h. für Rüstungen, deren Ringe reihenweis neben 
einander genäht sind, so dass immer ein Ring über den anderen hinweg- 
griff und das ganze Panzerhemd dicht mitEisenringen bedeckt War. J eden- 
falls waren die genäihten Ringpanzer auch billiger als die künstlich gefloch- 
tenen. Man könnte ferner annehmen, dass der Halsberc eine Rüstung war, 
die ganz besonders den Hals schützte, die mit der Panzerkappe, dem 
Hersenier, aus einem Stücke gefertigt wurde; die Brünne wäre dann ein 
Panzerhemd, welches den Hals frei liess. Diese Deutung scheint aber 
doch nicht Stich zu halten, denn wir sehen, dass schon auf den ältesten 
Siegeln die Rüstung des Leibes und des Hauptes zusammenhängt. Die 
Ritter aus dem Eilde des elften Jahrhunderts hätten demnach schon Hals- 
berge getragen (vgl. Demay, le costume au moyen-age däpres les sceaux 
p. 111). Klar ist die Sache also durchaus nicht und das Verhältniss der 
Brünne zum Halsberc wohl noch einer genaueren Untersuchung werth. 
Wie gesagt, besteht die Rüstung hauptsächlich aus diesen Ringen;
        

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