Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004784
Strafe 
die 
äiner 
Festung. 
Friedensverhzmndltlngc 
395 
zu vernichten, hatte aber der Kaiser nicht erreicht; schon am 27. April 
l 167 kehrten die Bürger mit Hülfe der Crelnonesen, der Bergamesen und 
der Brescianer zurück und laauten die Stadt aufs Neue auf (Ann. Mediol. 
Minores). 
Zuweilen hatten die Bürger einer Stadt, die in den Besitz des 
Feindes gefallen war, nach Herstellung des Friedens noch ihrem Herrn 
von ihrer Haltung bei der Belagerung Rechenschaft zu geben. So 
war die Stadt St. Veit in Kärnten 1'202 durch Untergraben der Mauer 
erstürnit worden und Ludwig, der Sohn des Herzogs Meinrad von 
"Kärnten, war dabei in Gefangenschaft gerathen. Herzog Meinrad 
hielt nun ein strenges Strafgericht über alle Schuldigen. "Den Com- 
mendator von Pulst, Ritter des Johanniterordens, durch dessen Haus 
hindurch die Mauer untergraben worden war, liess er an den Schwanz 
eines Pferdes binden, durch die Strassen der Stadt schleifen und eines 
entsetzlichen Todes sterben" (Joh. Victoriensis lll, 2). 
Die Eroberung einer oder mehrerer wichtigen Städte und Burgen, 
der Verlust einer Feldschlacht und andre Unglücksfälle zwangen in 
der Regel den Besiegten, Friedensverhandlungen anzuknüpfen. Wieder 
wurden zunächst Parlamentäre ins feindliche Lager gesendet und eine 
Waffenruhe verabredet 1). Dann wurden die Friedensbedingungen fest- 
gesetzt und Geiseln gestellt, dass alle Stipulationen getreulich aus- 
geführt werden sollten. Gewöhnlich wurden diese Geiseln gut be- 
handelt; sie verpflichteten sicli eidlich, nicht zu entfliehen, und durften 
nun ganz nach Belieben frei u1nhergehen2). Schlimm aber stand es 
um sie, sobald ihr Kriegsherr zögerte, die ihm auferlegten Bedingungen 
zu erfüllen. Bei der Uebergabe von Akka am 12. Juli 1191 hatten 
die Sarazenen gelobt, wenn ihnen freier Abzug bewilligt würde, das 
heilige Kreuz auszuliefern und 200,000 Talente Kriegsentschädigung 
zu zahlen. Dann versprachen sie die Freilassung von 2000 gefangenen 
christlichen Edelleuten und von 500 anderen Gefangenen niederen 
Standes. Zum Unterpfztnd, dass diese Bedingungen binnen Monats- 
ü-ist erfüllt sein sollten, wurden die vornehmsten Leute der Stadt den 
Christen als Geiseln überliefert (ltin. Reg. Ric. lll, 17). Saladin aber 
zögerte mit der Auslieferung des Kreuzes, der Bezahlung der bestimmten 
1) Ottokur von Steier (JCCIlI: Man such zu einander zogen Die 1'a.tg'ebon in 
ninen frid, Der wart gepotun bi der wid [Tbey macht zu pehalten. 
2) Bit-erOH 1870: Man phlac ir, sö 1112m gisel tuot, Der alten und der jungen 
Mit guoter vestenunge Und daz si giengen äne baut. Des muoste dä der 139513311 
hant Mit gestabben eiden swern. Dö endurfte in ouch claz nieman wern, Si riten 
(17, oder in.
        

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