Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004752
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Plünderung. 
Theilung 
der 
Beute. 
mit den Dieben und hing eine Menge derselben auf. Der Graf von 
Saint-Pol liess einen Ritter (Yescu au col), der von der Beute unter- 
schlagen hatte, aufknüpfen. Viele Andere, Grosseund Kleine, hatten 
auch für sich bei Seite gebracht; es kam jedoch nicht heraus (Ville- 
hardouin 255). Auch nach der Einnahme von Damiette 1219 schwören 
sämmtliche Kreuzfahrer, die ganze Beute zusammenzutragen und dann 
zu theilen (Matth. Paris). Als 1248 Damiette wieder in die Hände 
der Christen fällt, ruft Ludwig der Heilige seine Barone zusammen 
und berathschlagt mit ihnen, was mit der Beute geschehen soll. Der 
Patriarch räth, dass der König alle Lebensmittel behalte, die übrigen 
Beutestücke bei Strafe der Excommunication im Palais des päpstlichen 
Legaten abgeliefert werden, und dieser Vorschlag wird angenommen. 
Später will der König dem Jehan de Waleri 6000 Livres schenken, 
dieser aber lehnt ab und beruft sich auf „die guten Gewohnheitsrechte 
des heiligen Landes (les bonnes coustumes de la Sainte-Terre), die 
folgendermassen bestimmen: wenn man die Städte der Feinde einnimmt, 
erhält von der vorgefundenen Habe der König ein Drittel und die 
Pilger zwei Drittel" (Joinville 167; 168). Und es war auch ganz gut, 
(lass feste Satzungen diese "Angelegenheit regelten, da sonst leicht 
zwischen den einzelnen Truppentheilen Reibungen und blutige 
Schlägereien vorkamen. Nur die Besonnenheit der englischen Kreuz- 
fahrer beugte in Lissabon 1147 einer solchen Schlacht zwischen ver- 
bündeten Kriegersclniaren vor. Wie Osbernus erzählt, hatte man sich 
geeinigt, dass die Einwohner all ihr Geld und Habe freiwillig aus- 
liefern sollten; dann wollte man die Häuser untersuchen und drohte 
Jeden zu enthaupten, von dem es nachgewiesen wäre, dass er etwas 
zurückbehalten habe. Aber die Flandrer und die Kölner fingen sogleich 
an zu plündern, beachteten den abgeschlossenen Vertrag nicht, erbrechen 
die Thüren der Häuser, vergriffen sich an den Jungfrauen, und ihr 
Führer, der Herzog von Aerschot, ging ihnen mit dem schlechtesten 
Beispiele voran. Die Engländer und Normannen aber betheiligterl 
sich an der Plünderung nicht, und endlich schämten sich die Flandrer 
doch und boten ihnen an, aus einigen noch unberührten Stadttheilen 
ihren Beuteantheil zu requiriren. 
Die Soldaten versahen sich mit Säcken 1), und nun erbrachen sie 
die Thüren, die Kisten und Kasten 2) und raubten, was sie vorianden 3). 
1)Kudr. 1498: Dö sach 11121111 näeh gewinne dringen vil der recken. Dö 
sprach Waise der grimme 'wä, sint nü die knehte mit den secken?" 
2) Kudr. 1499: Dö wart üf gehouwen vil manegez richez gadeln. 
3) Rom. de Troie 25990: Tot cerchiärent et tot robärent: 01' et argent, pajles
        

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