Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004739
390 
Grausan 
von Crema fällt 1159 Bertolf von Urach; einer aus Crema skalpirt den 
Todten und schmückt mit dem Skalpe seinen Helm. Die Schotten 
verübten 1174 in England die grössten Gräuel, schnitten schwangeren 
Frauen den Leib auf und schonten wederJung noch Alt; selbst die Priester 
wurden vor den Altären niedergemacht. Noch schlimmer hausten 
die Soldaten des Königs Johann von England 1215 im eigenen Lande: 
"Um Geld zu erpressen, so berichtet Matthaeus Paris, peinigten sie 
Ritter und Leute anderen Standes mit denselben Foltern, hingen einige 
an den Lenden und an den Schamtheilen, andere an den Füssen und 
an den Schenkeln, wieder andere an den Händen, Dämmen oder Armen 
auf und spritzten in die Augen der Bemitleidenswerthen Salz mit  
vermischt; sie sahen es gar nicht ein, dass sie nach dem Ebenbilde 
Gottes geschaffen, in Christi Namen getauft waren. Andere legten sie 
auf Dreifüssen und Hürden in die glühenden Kohlen und tauchten 
dann die verbrannten Leiber in das Wasser unter das Eis." lm J. 1292 
überzogen, wie Johannes von Winterthur schreibt, die Züricher die 
Stadt Winterthur mit Krieg. „Sie hatten vor, alle Kriegsleute, Männer 
und Weiber, Alt und Jung, über die Klinge springen zu lassen (in 
ore gladii perdere), die Mauern abzubrennen und zu zerstören, den 
schwangeren Frauen den Leib aufzuschneiden, die ungeborenen Kinder 
abzuschlachten und Alles so zu verheeren, dass keine Spur von der 
Stadt übrig bleiben sollte." Und das sind nicht bloss leere Drohungen. 
Wo eine Stadt mit Sturm genommen wurde, da hausten die Sieger 
entsetzlich, mordeten die Einwohner und schonten keines Alters. 
Zumal wenn eine Stadt der Ungläubigen in die Hände der christlichen 
Kreuzfahrer tiel, da wurde ein wahres Blutbad angerichtet. Wie roh 
und grausam selbst Leute aus den vornehmsten Ständen sein konnten, 
das zeigt eine Geschichte, die Johannes de Oxenedes uns überliefert 
hat: „Am Tage der Beschneidung (1. Jan. 1253) ergrimmte Galfiridils 
de Limazum, der leibliche Bruder des Königs (Heinrichs lll. von E11g- 
land) aus einem unbedeutenden Anlasse zu Guldeforde gegen einen 
der vornehmsten Köche des Königs, Namens Roger, fiel mit seinen 
Leuten über ihn her und misshandelte ihn unmenschlich, band ihn 
und brachte ihm mehrere Wunden bei. Dann liess er ihn nackt auf- 
hängen und ihm das Haupt kahl machen, indem er befahl, einzeln 
jedes einzelne Haar mit der Wurzel demselben auszureissen, so dass 
selbiger ebensoviel Qualen zu erdulden hatte, als Haare auf dem Haupte 
waren. Endlich verendete der Unglückliche unter den grössten 
Schmerzen. Der Küchenmeister (magister cocorum) Richard brachte 
eine Klage beim Könige wegen dieser Gewaltthzrt an, erntete aber nur
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.