Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004710
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Freier 
Abzug 
Stadtbewohner. 
wird dieselbe geplündert (militibus ad diripiendum permissum est, 
Ragew. 62) und angezündet. Die Oremoueser zerstörten sie darauf 
gänzlich und schonten selbst der Kirchen nicht. So berichtet Otto 
Morena. Auch bei dieser Gelegenheit soll, wie die Annales Colonienses 
maximi erzählen, eine Frau ihren kranken Mann auf den Schultern 
herausgetragen haben.   
Jammervoll war, selbst nach Ottos von Freisingen Bericht, das 
Aussehen der Einwohner von Tortona, als dieselben, durch Wasser- 
mangel zur Ergebung gezwungen, im April 1155 aus ihrer Stadt ab- 
zogen 1). 
Aus Mailand kommen am 1.. März 1162 die Consuln zum 
Kaiser Friedrich I. nach dem Palast in Lodi, blosse Schwerter in den 
Händen, ergeben sich ihm und schwören ihm Namens der Stadt Treue. 
Den 4. März erscheinen 300 Mailänder Ritter, unter ihnen 36 Banner- 
träger, liefern ihre Fahnen. aus i) und küssen den Fuss des Kaisers. 
Am 6. März wird das Carroccio mit dem Hauptbanner und noch 
94 Fahnen übergeben; auch die beiden Trompeten der Stadt erhält 
der Sieger 3). Am 19. März kündigt man den Einwohnern an, dass sie 
binnen acht Tagen die Stadt zu räumen haben (Acerbus Morena). 
Hart war es gewiss, auf diese Weise eine ganze Stadtbevölkerung aus 
ihrer Heimath zu vertreiben, ihrer ganzen liegenden Habe und alles son- 
stigen Besitzthumes, das nicht so leicht transportabel war, zu berauben. 
Jedoch die Mailänder hatten am wenigsten Ursache, den Kaiser der 
Grausamkeit zu bezichtigen: im Jahre 1158 Waren sie gegen ihre 
Nachbarstadt Lodi noch viel rücksichtsloser gewesen. Da Lodi den 
Treueid ihnen nicht unbedingt, sondern nur vorbehaltlich des Gehor- 
sams gegen denKaiser leisten wollte, brachen sie am 23. April 1158 
in die unglückliche Stadt ein und plünderten sie aus, befahlen auch 
den Einwohnern, die Stadt zu räumen, da sie sonst getödtet werden 
1) Geste Friderici II, 20; Mense Aprili animabus solum ex' miseratione et 
mansuetudine larincipis saluti et libertati datis, civitas primo direptioni exposita, 
exeidio et Hammae mox traditur.   Videres miseros oppidanos, cum iam seeuri- 
tate eoneessa de miseris elaustrorum ergastulis ad liberam prodirent aeris tem- 
periem, funebri facie tanquam de bustis egredientes mutari in semet praetendentes, 
quod dicitur omnium miserabilius esse claudi obsidioni. 
2) Vgl. Gr. Wolfdietr. 1994: Den fanen wurfen sie zu der erden, die dannoch 
heten daz leben; Sie sprachen Üieber herre, wir wellen uns gerne ergebeni 
3) Die Annales Mediolanenses (Libellus Tristitiae et Doloris 24) sind sehr 
empört, dass der Kaiser die Trophäen nicht zurückgab; Ipse autem tamquzun 
vit nequam et perfidus et crudelis, milites et carocium et omnia signa et tubas 
retinuit.
        

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