Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004678
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Wachsamkeit. 
lkupferkeit 
F 111,111 
Des Nachts stellte man Wachen aus, (lzlllllli der Feind die schlafende 
Besatzung nicht überrumpele 1). 
Rührend ist die Hingebung, mit welcher die Frauen die Belagerung 
(ertragen, die Kämpfenden nach Kräften unterstützen, ihnen Munition, 
einen Trunk Wasser und Erfrischungen bringen 2). Aber im Falle 
der Noth sind die Frauen damaliger Zeit noch ganz anderer Helden- 
thaten fähig. Wenn Wolfram erzählt, dass Gyburc, die Gemahlin 
AWilhelms von Oransche, mit ihren Jungfrauen tapfer und umsichtig 
das Schloss Oransche gegen die Sarazenen vertheidigt (Willeh. 230, 1 Hi), 
so schildert er nur, was in der That Frauen damals zu thun ini 
Stande waren. Wie Ordericus Vitalis (XIII, 5) uns berichtet, verthei- 
digte schon 1128 Sibylla, die Gattin des Rodbertus de Cueleio, eines 
normannischen Ritters, dessen Schloss. „Wachsam wahrte sie in Ab- 
wesenheit ihres Gemahls Tarragona, jede Nacht legte sie wie ein 
Ritter die Rüstung an, nahm einen Stock in die Hand-stieg auf die 
Mauer, machte die Runde in der Stadt, ermunterte die Wächter und 
ermahnte Weislich Alle, sorglich auf die Listen der Feinde Acht 
zu geben." 
Wenn ein Angriff glücklich zurückgewiesen worden war, dann 
läutete man die Glocken und gab sich der Freude hin 3). 
Aber, wie schon gesagt, die Festung war doch meist verloren, 
wenn der Belagerer nur geduldig ausharrte. Entweder konnte er eine 
solche Bresche in die Mauer legen, dass er mit Sturm in die Stadt 
einzudringen vermochte, oder er zwang dieselbe, freiwillig zu capitu- 
liren. Der Sturm war jedoch immer mit bedeutenden Verlusten von 
Menschenleben verbunden 4), darum zog man es vor, lieber auf güt- 
lichem Wege in den Besitz der Festung zu gelangen. 
1) Percev. 3116: (Apräs manger) Cil remäsent qui se dormirent, Qui l'autre 
nuit velliä avoient; Cil s'en issirent qui tlevoient Lau nuit pzu- le castel vellier; 
Seljant furent et chevalier Cil ki cele nuit i veilliärent.  Vgl. Rom. des 7 sages 
2169: Itel coustume zmoit a, romme Qu'il n'i avoit si riche homme, Tant fust 
haus hons ne parentäs, Puis ke cueure fus fu sonnes (die Nachtglocke zum 
Auslöschen des Feuers), S'il fust seus troues en lau rue, Ne clame tant fust bien 
uestue, Porchou k'il fuissent maint detrois K'i1 ne fussent pris de manois A ln. 
quemugne erent liurä Et lenclenmin erent fustä. 
2) Vgl. S. 381, Anm. 3.  Chans. düäntioche VIII, 22: Aus osteus sont corutes 
por les bordons saisir E11 son lient lor guimples pour a vent refrenür; Les plu- 
sors vont les pierres en lor mances öoillir, Les autres de douce aigue foht 19H 
boutiaus emplir, Cil qui boire voura n'i pom pas faillir. 
3) Ghron. des clucs de Norm. 4476: E cil cleclenz joius e las Unt fait par tut 
8011er les glas De joie qu'il sunt defenduz. 
4) Ann. Austriae (Cent. Vindob.) 1289: Muro civitatis (Güns in Ungarn) magnn
        

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