Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004637
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Contrenminen. 
Ausfälle. 
wollen oder dürfen"    Fürwahr, von Erzählern, welche die Wahrheit 
sprachen, habe ich erfahren, dass eine Wittwe zwei Söhne hatte und 
sah wie sie tapfer kämpften; da seufzte sie, weil sie an dem Tage 
noch nichts gegessen, sie auch nichts hatte, was sie ihnen bringen 
konnte. Da ging sie unverzüglich nach Hause, liess sich am linken 
Arme eine Ader mit einer Lanzette (fiebotomo) Eiifnen, kochte das ab- 
gezapfte Blut mit Gewürz und brachte es so ihren Söhnen zum Essen." 
Die Stadt wurde zur Belohnung ihres Heldenmuthes Wirklich entsetzt. 
Wie andere vom Feinde cernirte Festungen sich der unnützen Esser 
entledigten, ist schon geschildert worden. 
Den Minen, welche die Deutschen gegen Tortona anlegten, begeg- 
neten die Belagerten wirksam durch Contreminen 1). 
Gegen die Kriegsmaschinen half aber immer am meisten ein ge- 
schickt geleiteter Ausfall?) Die Soldaten trugen zuweilen hölzerne 
Schirmwände, hinter denen sie sich verstecken konnten und die ihnen 
beim Anschleichen an das feindliche Lager Dienste thaten 3). Der 
Hauptzweck des Ausfalls war die Zerstörung der feindlichen Maschinen, 
und diese glückte sehr häufig. S0 verbrannten am 15. October 1190 
die Türken vor Akka mit griechischem Feuer den Sturmbock, welchen 
Bischof Thierri von Besancon gegen sie hatte errichten lassen (Itin. 
Reg. Ric. I, 59): 
Fecit hie arieten1, quem de ferro texit, 
Qui nostrorum animas plurimum erexit. 
Nullus enim credidit, nullus intellexit, 
Quod comburi valeat, licet in igne sit 4). 
Das Verbrennen der Thürme erzählt das oben genannte Itinera- 
rimn I, 36 und 58. Bei der Belagerung von Ancona zündete eine Wittwe 
1) Ott. Frising. Gesta Frid. I], 16 (cf. S. 325, Anm. 1). 
2) Blancandin 1115: Es vous mil chevaliers armäs Qui säuangent sor les fossös, 
Devant les bares ä 1a. porte. Mains serjans le fu i aporte Por alumer le hiregon 
Que cil i traient del doignon. Li serjant skuestent ins liees devant les bares coleices. 
 Parise 1a Duch. p. 57: Par de desus 1a. vile sont issuz li archier As murs et aus 
escrilnes sont ]i arbalestier. Devant 1a, maitre porte sont li borjois ä piä Qui 
portent bones armes et jusarmes (Tacier Et gu-ant targes raondes, fandues de carter. 
3) Anelier, Guerre de Nawzurre 4328: E portego barreras per fam millor abrig. 
 Vgl. Heinrici Chron. Livon. III, c. 14, 5: Et Curones relinquentes naves suas in 
Duna ordinaverunt exercitum suum in campo et portabat unusquisque tabulanl 
ligneam ante se ex duobus asseribus eompositam et elavam ad modum baculi 
pastoralis ad sustentaculum ipsius tabule. 
4) Monachi Florentini Acconensis Episcopi de Recuperatione Ptolemaidae 
liber, v. 433 ff.
        

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