Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004592
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zrstörung 
ieschütze. 
feindlichen 
nicht in die Festung eindringen. Es müssen auch die Belagerten am 
Anfange des unterirdischen Ganges grosse, mit Wasser und auch mit 
Urin gefüllte Tonnen bereit haben, und wenn sie mit den Belagerern 
kämpfen, scheinbar iliehend aus dem Graben herausspringen und dann 
die ganze angesammelte Masse von Wasser und Urin auf die Belagerer, 
die in den Minen sind, ausschütten. Zu unsren Zeiten sind viele Bie- 
lagerer so verunglückt, und wir dürfen es nicht für unmöglich halten, 
dass dies, wenn es einmal geschehen ist, wieder geschehen kann. 
Nachdem wir gesehen, wie dem Angriffe durch Minen zu begegnen 
ist, bleibt zuzusehen, wie die Belagerten der Angriffe durch Stein- 
schleudermaschinen sich erwehren können. Gegen dieselben giebt es 
vier Mittel. Erstens, eine grosse Zahl Bewaffneter macht plötzlich einen 
Ausfall aus der Festung, bemächtigt sich der Maschinen und zündet sie 
an, ehe das Heer zu ihrer Vertheidigung herbeieilen kann. Wenn aber 
die Belagerer einen Ausfall zu machen nicht wagen, so werden einige 
Leute heimlich des Nachts an Stricken von der Mauer hinabgelassen, 
die versteckt Feuer bei sich tragen und, ohne dass es die Feinde merken, 
die Maschinen anzünden, dann wieder an den Stricken in die Festung 
zurückgezogen werden. Es giebt auch noch eine dritte Art, die 
Maschinen zu zerstören: mit Pfeilen, die man Wurfspeere (telos) nennt. 
Der Pfeil hat nämlich in der Mitte eine Höhlung, in die man einen 
kräftigen Brandstoff legt; selbiger besteht aus Oel, Schwefel, Pech und 
Harz; diesen Brandstoif, den man mit Werg umwindet, nannten die 
Krieger des Alterthums Zündfeuer (ignem incendiarinm). Solch ein 
Pfeil wird mit der Baliste kräftig bis an die Maschine geschnellt und 
zündet sie oftmals an. Viertens richtet man gegen die Steingeschütze 
der Belagerer andere Geschütze in der Stadt her, mit denen man jene 
zu treffen und zu zerstören sich bemüht. Unter den anderen Hülfs- 
mitteln giebt es eins von allerhöchster Bedeutung. Wenn nämlich 
die Maschine aufgestellt ist, so macht man ihr eine Schleuder aus 
eisernen Kettchen, oder der Kopf (testa; wohl die Schlinge) wird aus 
Eisen gefertigt, und neben der Maschine baut man einen Ofen (fabrica), 
in den man eine grosse Eisenmasse leicht hineinschieben kann; 
wenn das Eisen gut durchglüht ist, so wird es in die aus Eisen ge- 
fertigte Schleuder gelegt und gegen eine Maschine oder sonst ein 
Holzgebäude geworfen. Gegen dies Geschoss schützen rohe Häute 
nicht; das Holz kann nicht widerstehen. Auf diese Weise kann ein 
jeder Holzbau zerstört werden. Es giebt auch noch viele andere Vor- 
sichtsmassregeln, die zur Vertheidigung gegen Steingeschütze taugen. 
Aber weil dies hier abgeschlossen ist, so wollen wir die Darstellung
        

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