Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004572
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wird 
Kriegsmaterial 
angeschafft. 
keine Brunnen anlegen kann, so baut man Cisternen, damit der Ueber- 
Huss des Himmelswassers den Mangel des anderen Wassers ersetzt. 
Wenn die laelagerten Festungen am Meere liegen und man kann nur 
salziges Wasser bekommen, weil das süsse Wasser zu weit entfernt 
ist und die Belagerer das Schöpfen desselben verhindern, so kann man 
vermittelst Wachs das Salzwasser süss machen. Denn wie Aristoteles 
in „de llIeteoris" sagt (secundum philosophum in methauris): was vom 
Salzwasser durch die Poren des Wachses durchgeht, das ist süss. Man 
muss auch eine Menge Essig und Wein in die Festung bringen, damit 
durch das blosse Wassertrinken die Krieger nicht schwach werden und 
dann nicht mannhaft den Belagerern widerstehen können. Nachdem 
gezeigt worden ist, welche Mittel man gegen den Hunger und den 
Durst, durch die gewöhnlich die Festungen zur Uebergabe gezwungen 
werden, anzuwenden hat, erübrigt noch zu sagen, welche Vorkehrungen 
zu treffen sind, damit eine belagerte Festung nicht durch Sturm ge- 
nommen wird. Man muss also in die belagerte Stadt oder Burg eine 
grosse Menge Schwefel, Pech und Oel schaffen, um die Maschinen der 
Feinde zu verbrennen. Eisenzeug und Bauholz sind in gebührender 
Quantität zu besorgen 1). Aus dem Holze werden Schäfte für Pfeile 
und Wurfspeere gemacht, auch die für die Festung nöthigen Bauten 
hergestellt. Mit dem Eisen bessert man die WaJTen aus, schmiedet Speer- 
und Pfeilspitzen und Anderes, mit dem man die Belagerer befeinden 
kann. Ein grosser Eisenvorrath ist schon deshalb nützlich, weil er 
dazu dienen kann, wie im folgenden Capitel sich zeigen wird, die 
Bauten und Maschinen der Belagerer zu zerstören. Auch Rollsteine 
aus den Flüssen müssen in Menge in die Festung gebracht werden, 
da sie fester und besser zum Werfen geeignet sind, und sie sind auf 
den Mauern und Thürmen aufzuhäufen. Gepulverter Kalk ist in grossen 
Massen in die Festung zu schaffen und mit ilnn füllt man zahlreiche 
Gefässe an, die man, sobald die Belagerei" sich den Mauern nähern, 
auf dieselben wirft; sie zerbrechen, der Staub dringt den Belagererrl 
in die Augen und greift sie so an, dass sie wie Blinde niedergemacht 
werden können. Auch ein tüchtiger Vorrath von Sehnen und Seilen 
erweist sich für eine Festung vortheilhaft, wegen der Herrichtung der 
Balisten und Bogen u. dglß). Wenn die Sehnen fehlen, kann man 
Pferdehaare oder Frauenhaare verwenden. Vegetius erzählt nämlich, 
dass, als den Römernli) der Vorrath von Sehnen ausgegangen war und die 
Vegetius IV, 8, 
Vegetius IV, 9. 
in obsidione Capitolii. 
ibid.
        

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