Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004567
Vorkehrungen gegen 
Hungersnotxh 
und Wassermangel. 
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Ernte beginnt, so hat man aus anderen, nahe gelegenen Orten alles das 
anzuschaffen, damit die belagerte Festung nicht Mangel an Lebensmitteln 
leidet. Was man nicht in die Festung schaffen kann, oder was hinein- 
zuholen sich nicht lohnt, das wird verbrannt, damit es nicht den Be- 
lagerern später von Nutzen ist und dieselben die Besitzthümer der Ein- 
geschlossenen zu deren Schaden verwenden 1). Wenn man aber eine 
langandauernde Belagerung fürchtet, so dass sich die Festung lange 
Zeit hindurch halten muss, so ist die Stadt oder Burg ganz besonders 
mit Hirse zu versorgen. Denn Hirse verdirbt nicht so leicht und soll 
sich besser halten. Auch Vorräthe von Salziieisch sind nicht zu ver- 
gessen; und eine reichliche Menge von Salz, das zu vielen Dingen 
nützlich ist, kann der Festung nur förderlich sein. Zweitens ist, was 
die Verproviantirung anbelangt, nicht allein darauf zu achten, dass 
man eine grosse Menge Lebensmittel in die Festung bringt, sondern 
auch dass die gesammelten Lebensmittel durch verständige Beamte 
(per temperatos erogatores) an die Familien vertheilt werden. Wenn 
es sich also machen lässt und wenn die belagerte Stadt gross ist und 
von anders her keinen Proviant mehr erlangen kann, dann müssen in 
jedem Stadtviertel die Lebensmittel in öffentliche Speicher gebracht 
und von vorsichtigen Männern sparsam und einsichtig vertheilt Werden. 
Ist die belagerte Stadt von mässigem Umfange, so lässt sich das leicht 
durchführen. Es nützt also nichts die Fülle der Lebensmittel, wenn 
sie nicht sparsam und mit Einsicht vertheilt werden. Drittens ist 
in solcher Lage zu beachten, dass schwache und unnütze Leute, die 
zur Vertheidigung 'der Festung nicht taugen, wenn es sich bequem 
machen lässt, an einen anderen Ort geschickt werden, denn solche 
Menschen verbrauchen und verzehren, was nur an die Krieger vertheilt 
werden sollte. Wenn man Mangel an Lebensmitteln befürchtet, so sind die 
entbehrlichen Thiere zu schlachten, zu essen oder einzusalzen, wenn 
sie essbar sind. Doch bei solcher Gelegenheit wird Vieles gegessen, was 
sonst der gewöhnliche Brauch verbietet. Nachdem wir so gesehen, 
wie eine Festung sich zu hüten hat, dass sie nicht durch den Hunger 
zu Falle kommt, ist es leicht zu ersehen, wie sich Belagerte zu ver- 
halten haben, damit sie nicht durch den Durst besiegt werden. Ehe 
jemand sie belagert, müssen sie zusehen, in eine solche Festung sich 
zu werfen, in welcher Ueberiluss an Wasser ist; wenn keine Quellen da 
sind, werden Brunnen gegraben 2). Ist die Stelle so trocken, dass man 
1) Vegetius III, 
2) Vegetius IV,
        

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