Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004556
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Vertheidigung 
der 
Belagerten. 
werke und legte neue Befestigungen an. Kam dann der Feind in Sicht, 
so läutete man die Sturmglockel) und rief damit Jedermann zu den 
Waffen 2); die Thore wurden fest verschlossen, die Zugbrücken auf- 
gezogen, die Fallthore in Bereitschaft gesetzt 3). Ja man ging so weit, 
die Thore zu vermauern und nur ein kleines Pförtchen, das recht 
fest gebaut war, zum Verkehr mit der Aussenwelt offen zu lassen 4). 
Auch über die zur Vertheidigung zu ergreifenden Massregeln giebt 
Aegidius Colonna uns eine recht bemerkenswerthe Zusammenstellung. 
Er fusst wie immer auf den von Vegetius aufgestellten Regeln, fuhrt 
dieselben aber weiter aus und giebt über die seiner Zeit übliche 
Kriegführung mancherlei Belehrung. In1 21. Capitel (Lib. HI, Pars III) 
sagt er: „Es ist aber nicht ausreichend, zu Wissen, wie Festungen zu 
erbauen sind, und wie ihre Mauern beschaffen sein müssen, wie sie 
gelegen sein sollen, wenn man es nicht versteht, wie sie zu sichern 
sind, damit sie nicht so leicht eingenommen werden. Oben wurde 
gesagt, dass es eine dreifache Art gebe, Festungen zu erobern, nämlich 
durch Hunger, durch Durst und durch offnen Kampf. S0 also müssen 
Festungen versorgt werden, dass sie auf keine dieserArten erobert werden 
können. Damit sie nicht durch den Hunger zur Uebergabe gezwungen 
werden, ist dreierlei zu beachten. Korn, Hafer, Gerste, die einzelnen 
Speisevorräthe und alles das Futter, das zum Lebensunterhalt dient, 
muss vor Beginn der Belagerung von aussen her in die Festung ge- 
schafft werden, und wenn man befürchtet, dass die Belagerung vor der 
1) Heinriei Ohren. Livon. III, c. XIV, 5: Sonitu campane, que tantumtnodo 
tempore belli pulsatur, populum convocant.  Ann. Pegav. 1215: Verum quia 
tempore guerre cives (Lipsienses) campanam ad convocandam communitatem fe- 
eerant, marchio (Misnensis, Theodericus) ne per concursum multitudinis intentio 
sua. üustraretur, tinhinnabulum prefate campane clam tolli fecerat et servari. 
2) Bueves de Commarehis 205: Pour ehaseun faire armer 1a grans bancloke 
sonne.  Lod. van Velthem II, 48: Niet lange na dit sonder waen Ward daer ge- 
slegen die stonn-clocken, 0m a1 die gemeente te gader locken.  
3) Ren. de Mont. p. 56, 37: Les portes firent clore, fermer et veroiller Et 
font les pons lever et contremont drescier, Devant 1a barbakane 1a. graut harre 
sachier.  Blancandin 4784: Lors iilrent tot li pont leve Et les portes furent fre- 
mees. Lors ont lor eoses atornees. Dreeent barbacanes et lices; Si ont les laortes 
couleices Atomäes por bien couler.  Vgl. Bd. I, S. 27 und 29 f. 
4) Parz. 351, 26: A1 ir porten Wärn vermüret; 354, 28: Öwä daz Beärosche ie 
geschach, Daz ir porten suln vermüret sin!  Percev. 6274: Sfot bien fait murer 
et enduire Del castiel totes les entuäes. Bien furent les portes murees De piere 
dure et de mortier; Nbnques n'i eut autre portier Mais une petite posterne Dont 
li huis lfestoit pas de verne; Celui laissa-on ä murer; Li huis fu por tos jors 
durer: De keuvre ert fais {u une baute; En Puis a de fier une quarbe Tsmt que une 
carete porte.
        

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