Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004546
'l'rzu1sp01't der 
Belzugerungsmaschinen. 
Namen derselben. 
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Dann liess man sie aber hintransportiren, wo man ihrer bedurfte. So 
erzählt das ltinerarium Regis Ricardi V, 39 von der Belagerung Darums 
im Mai 1192: "Und es dauerte nicht lange, siehe da kamen (von Ascalon) 
die Schiffe mit den Petrarien des Königs. Der König selbst mit 
anderen Grossen und Edeln trug die zerlegten Stücke auf seinen 
Schultern zu Fuss gehend im Schweisse seines Angesichts vom Gestade 
eine Meile Weit, wie wir damals gesehen haben. Als die Petrarien 
zusammengesetzt, aufgerichtet und ihrer Bedienungsmannschaft zu- 
getlieilt waren, wählte der König sich selbst eine aus, die den Haupt- 
thurm bestürmte, und diese commandirte er persönlich." Es war dies 
übrigens gar nichts so Seltenes, dass Fürsten sich der Maschinen an- 
nahmen; ich habe schon früher (S. 339 Anm. 7 und S. 340 Anm. 2) 
Beispiele dafür angeführt. Die Maschinen selbst erhielten auch Namen, 
so erwähnt Anelier eine Algarrada, welche Cascavalet, die kleine Schelle, 
hiess 1). Eine Anzahl solcher Namen nennt uns Henricus Rosla, doch 
bietet die Interpretation dieser Stelle manche Schwierigkeit2). Vor 
Akka hatte 1191 König Philipp August eine Petraria, welche die böse 
Nachbarin hiess (mala vicina); die Türken nannten die ihre die böse 
Verwandte (mala cognata). Eine andere auf gemeinsame Kosten erbaute 
wurde die Petraria Gottes genannt 3). Die Petraria_ "Maleveisine" 
schickt noch 1216 Philipp August seinem Sohne Ludwig zur Belagerung 
von Dover (Matthaeus Paris). 
Der herannahenden Belagerung wurde von den Stadtbewohnern 
mit Schrecken entgegengesehen. Eifrigst reparirte man die Festungs- 
1) Guerre de Navarre 3623: E Palgarrada pauca que s fazia nomnar Tot jorn 
(Jascavalet. 
2) Herlingsberga 80: Non hic unigena fabricantur machina: noinen Haec 
i librilla tenet, quasi saxea pondera librans, Obtinet illa suis, sed hirundinis 
haec, stat aselli llla vocata nota, quaedam Et ab ariete dicta Ex re nomen 
habens, altis aeque alta minatur Turribus interitum: quoniam supereminet 
ipsa.  Die Sus, den Aries, die Aeque altarkennen wir: diese Namen bezeichnen 
aber eine bestimmte Gattung von Maschinen; es ist deshalb gar nicht unwahr- 
scheinlich, dass auch Librilla nicht der Rufname des Geschützes, wenn ich mich 
so ausdrücken darf, ist, sondern ebenfalls eine Art Steinschleuder bedeuten soll; 
was dann die Schwalbe und das Eselchen zu besagen haben, ist wohl nicht S0 
leicht zu ermitteln. Bei Asellus könnte man an den Onager denken. Wäre der 
Dichter nicht ein so elender Versifex, so läge die Vermuthung nahe, dass er in 
der That sachgemäss die Maschinen ordnet: erst die Wurfmaschine, dann die 
Sau zum Untenniniren, dann die Hirundo und den Asellus, den Widder, endlich 
die Ebenhöhe; wir müssten dann die beiden fraglichen Kriegswerkzeuge etwa 
der Gattung der Schutzdächer oder der Mauerbrecher beiordnen. Hirundo ist 
freilich ein recht unpassender Namen für einen Bau, der sonst Katze, Sau, Maul- 
wurf heisst. Vielleicht gelingt einem Anderen die Lösung dieser Frage. 
3) Itin. Reg. Ric. III, T. 
 24r
        

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