Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1001074
Bunm 
YVurflanzcn. 
penn0n)1), Welcher am Lanzenschafte befestigt wurde, war das Wappen- 
zeichen des Ritters gemalt oder gestickt; der untere Theil der Fahne 
dagegen reichte bis auf den Handgriff der Lanze herab 2) und war, 
wie die gleichzeitigen Siegel zeigen, gewöhnlich ein- bis zweimal der 
Länge nach aufgeschlitzt, so dass die Enden lustig im Winde flattern 
konnten 3). Wie schon früher (Bd. I, S. 470 ff.) geschildert worden 
ist, verehrten auch die Damen ihren begünstigten Liebhabern Aermel 
von ihren Kleidern, Kopftücherll) u. dgl, Welche vom Ritter dann 
beim Turnier oder in der Schlacht statt des Banners an der Lanze 
geführt wurden. Ich glaube, dass das Wort Wimpel, das heute noch 
ein kleines schmales Fähnlein bezeichnet, von dem Schleiertuch (Wimpel, 
afr. guimpe), welches so oft die Fahne des Ritters ersetzte, seinen 
Namen erhalten hat. Was den Zweck der Lanzenfahnen anbelangt, 
so dienten dieselben dazu, den Ritter durch sein Wappenbild kenntlich 
zu machen, vielleicht glaubte man auch, dass vor den Fähnleirl die 
Rosse der Feinde leicht scheuten und man so eher die feindlichen 
Schaaren in Unordnung bringen konnte. Die Fähnchen unsrer Ulanen- 
lanzen sollen ja heute noch diesen Zweck erfüllen. Dagegen ist durch 
das vom Winde hin und her gewehte Fahnentuch das sichere Treffen 
gewiss auch erschwert worden. Der Stoss selbst wurde durch die 
Fahne kaum abgeschwächt; bei der Wucht des Anpralls, wenn die 
schweren Rosse in gestreckter Carriere auf einander losstürmten, durch- 
bohrte die Lanze, wo sie eine ungeschützte Stelle fand, den Körper 
des Feindes und die Fahne selbst drang mit in die Wunde ein und 
wurde vom Blute des Getroffenen gefärbt 5). 
Die Lanzen wurden im dreizehnten Jahrhundert immer nur zum 
Stoss gebraucht, früher scheint man sie auch gegen den Feind ge- 
schleudert zu haben"). Diese Wurfspiesse (gere, afr. espiel) werden 
1) Percev. 42754: Adonis d, 1a, lanee bmndie Ü li pignons d'or iioi ventele.  
Elie de Saint-Gille 2103: Et 0b hauste de fer fmine et ot fer de Castele A -iij- 
claus de ün or - pengons i ventele. 
2) Parz. 59, 5: Mit speren wol geminlen Mit grüenun zindäulen; Ieslichez hete 
ein banier, Dri härmin anker dran sö fiel", Daz man ir jach für richeit. Si wären 
lang unde breit, Und reichten vaste unz üf die hant, Sö mzms zem spers iser bunt 
Dä niderhall) ein spanne.  Biber. 7089: Von dem sper unz üf die hant Einen 
vanen man gewunden vant Mit einem horten wol daran. 
3) Vgl. Karl von Sava, die Siegel der österreichischen Regenten (Mitth. d. 
k. k. Central-Coimu. IX, p- 242  
4) Frauend. p. 186, 25: An einem sper ein risen guot Er fiiort. 
5) Rom. de 'l'roie 2557; Son goniäunon et cors li beingne; 9085: Que tres 
parmi 16 gros del piz Passe Fenseigne de samjz. 
6) Nib. Z. p. 12, 4: Ez fuorten scharpfe gäre die ritter üz erkorn; p. 32, 6:
        

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