Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004092
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Steinschleudermaschinen. 
dem die Steinschleuder verbunden ist, niederzieht und emporschnellt. 
Letzteres geschieht zuweilen durch ein Gegengewicht; manchmal aber 
reicht das nicht aus, sondern noch höher wird der Hebel der Maschine 
durch Stricke emporgeschnellt, und durch dies Emporschnellcn werden 
die Steine geschleudert. Wenn also durch das Gegengewicht allein 
der Wurf erfolgt, so kann dies Gegengewicht unbeweglich oder be- 
weglich oder beides zugleich sein (i? vel est compositum ex utroque"). 
Unbeweglich heisst das Gegengewicht, wenn an dem Hebel ein Kasten, 
beschwert mit Steinen, Sand, Blei oder sonst einem gewichtigen Körper, 
unverrückbar befestigt ist, und diese Art von Maschine nannten die 
Alten Trabucium. Unter den übrigen Maschinen wirft sie am ge- 
nauesten, da das Gegengewicht immer gleichmässig anzieht und deshalb 
stets auf dieselbe Weise die Bewegung vermittelt. Mit dieser Maschine 
könnte man fast eine Nadel treffen. Wenn sie nämlich ein Ziel 
treffen soll, und sie wirft zu sehr nach rechts oder links, dann ist sie 
nach der Stelle wohin der Stein fallen soll, zu richten; wenn sie aber 
hoch wirft, so ist sie entweder vom Ziele entfernter zu rücken, oder 
man legt ein schweres Steingeschoss, das sie nicht so hoch zu werfen 
vermag, in die Schleuder; wenn aber zu niedrig, dann ist die Maschine 
vorzurücken oder ein leichterer Stein zu wählen. Wenn man genau 
nach einem bestimmten Ziele werfen will, muss man immer die Stein- 
geschosse erst abwägen. Eine andere Art von Maschine hat ein 
Gegengewicht, das beweglich an dem Hebel der Maschine hängt (circa 
flagellum vel circa virgam), sich an demselben dreht. Und diese Art 
nannten die römischen Krieger Biffa. Sie hat folgende Eigenschaft: 
weil das Gegengewicht beweglich an dem Hebelarme hängt, so zieht 
es zwar eben durch seine Bewegung mehr an, aber nicht so gleich- 
mässig, wirft also weiter, aber trifft nicht so genau und gleichmässig. 
Es giebt jedoch eine dritte Art von Maschine, die sie Tripantum 
nennen; diese hat beide Gegengewichte, das eine am Hebel unbeweglich 
und das andere, das sich beweglich am Hebel dreht. Wegen des 
festen Gegengewichtes wirft sie genauer als die Biifa, wegen des be- 
weglichen Gewichtes schleudert sie den Stein weiter als das Trabutium. 
Die vierte Gattung hat statt des Gegengewichtes Stricke, die durch 
lllenschen-Kräfte und -Hande angezogen werden. Diese Maschine wirft 
nicht so grosse Steine, wie die vorerwähnten Arten, aber es erfordert 
weniger Zeit, wie bei jenen, sie schussbereit zu machen; deshalb wirft 
sie öfter als jene. 
„Wer also eine Burg oder Stadt belagert und dieselbe mit Stein- 
schleudermaschinen angreifen will, muss sogleich überlegen, ob er jene
        

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