Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004072
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Minen. 
oder Burg hineingelangt. ,Aber alles das kann heimlich geschehen, 
dass es von den Belagerten nicht gemerkt wird, und, zwar nicht ohne 
Schwierigkeit und Zeitaufwand, doch zum rechten Ziel geführt werden. 
W'e11n das so vorbereitet ist, zündet man zur Nacht oder zu einer 
sonst für den Kampf geeigneten Zeit das Feuer an, so dass zugleich 
die untergrabenen Mauern und Befestigungen einstürzen und die unter- 
irdischen Gänge nach der Burg oder Stadt fertig sind, und über die durch 
den Einsturz der Mauern geschaifene Bresche stürmen die übrigen 
Belagerer in die belagerte Burg oder Stadt und können sie so erobern." 
Die Anwendung der Minen wird schon von Vegetius empfohlen 
(IV, 27), und fast das ganze Mittelalter hindurch hat man von ihnen 
bei Belagerungen Gebrauch gemacht, bis man lernte, durch Kanonen 
schneller eine Festungsmauer zu zerstören. Bei der Belagerung von 
Nicaea 1097 bringen die Kreuzfahrer einen Thurm durch Untergraben 
zu Falle (Matth. Paris), und auch vor Lissabon wird durch dasselbe 
Strategem 4147 in die Stadtmauer eine Bresche von 30 Ellen gelegt 1); 
ähnliche Beispiele liessen sich leicht in Menge beibringen. Auch 
in den Romanen spielt der Minenkrieg bei den Belagerungen immer 
eine hervorragende Rolle 2), und stets wird ganz in derselben Weise, 
wie dies Aegidius lehrt, verfahren 3). Schon bei der Bestürmung von 
Lissabon Waren es Kölner Pilger, Welche die Minen anlegten (Osbernus 
a. a.  und es scheint, dass grade am Niederrhein und in den Nieder- 
landen die Leute in dieser Kunst besonders erfahren waren. lm Ro- 
1112.11 Godefroy de Bouillon werden auch die Leute aus dem Hennegau, 
die Flamänder und die Lütticher als gute Mineure gerühmti). Die 
Leitung dieser Arbeiten ist dem Ingenieur anvertraut 5), über dessen 
1) Ann. Mngcleb. 1147.  Osbernus de expugnatione Lyxbonensi.  Nach den 
Ann. Sti. Disibocli 1147 ist die Bresche gar 200 Fuss gross. 
2) Doon p. 338: As murs viennent tzmtost pour rompre et miner.  Aiol 
10859: Li mineor sont sage qui tlesous tere nlinent, Il esfondrent le 1lll11' et ln. 
(ledens se missent, Que plus de -xxx- ljoises 130111; ensiuuble caj1'e11t_ 
3). Ottokar von Steier OCCXI: Die mawr hiez er ehrenkehen Und den turn 
nndergraben. Er wolt nicht aufgehaben, Er Wurf? in auf die lewt nicler; DXLVIIT: 
In der laurkch ein turn lag, Der all dez lmws gut phlag, Der was nu under- 
waricht gar, So dm. man hat geseezt der Mnnigen polez groz Pheyler genoz, Von 
aiehem holez. Dieselben sewl und polcz Hmbten den turn auf, Dm 01' ieht gie 
zu hauf. 
4) Goclefr. de Bouillon 16191: Säwoit en sn. partie Flmnens et Hainuiers et 
une aultre maisnie (l'on appielle Liägois; nmis je vous certelie Que bißn Sävent 
miner une tour batellie. 
5) Phil. Mousques 25866: Quer li boins mestres Amauris, Li Sire (168 engi- 
gneours, Oommenclere des minäours.
        

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