Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004048
Waffenstinsfnn d. 
321 
Zeichen des Friedens1). Bei der Belagerung von Le Mans 1100 er- 
laubten die Belagerten dem Helie de la Fläche so oft er wollte an 
die Befestigung heranzukommen; er sollte aber ein weisses Hemd 
(tunicam albam) anlegen (Ord, Vit. X, 17). 
Damit also die Verhandlungen stattfinden konnten, wurde Friede 
geboten 2); bei Todesstrafe wurde Jedermann befohlen, die Feindselig- 
keiten während der bestimmten Frist einzustellen 3). Dann erst ver- 
abredete man auf gewisse Zeit den Walfenstillstand. Vierzehn Tage 
zum Begraben der Todten scheint schon eine lange Frist 4); aber in 
den Romanen vom Trojanerkriege werden nach jeder Schlacht lange 
Waifenruhen beschlossen. So folgt nach einem Gefecht eine Ruhezeit 
von zwei Monaten (HTr0j. 6062) zum Begraben der Todten; nach 
dreissig Tagen Krieg wird wieder auf sechs Monate Frieden geschlossen 
(ib. 9176); dann kämpft man aufs Neue zwölf Tage und ruht darauf 
dreissig Tage (ib. 9576) etc. 5). In Wirklichkeit Wird die Dauer einer 
Waffenruhe wohl knapper bemessen bewesen sein, sonst hätte  jede 
Belagerung so lange wie die von Troja gedauert. 
Wahrscheinlich hatte man vor Beginn der Feindseligkeiten; die 
Festung schon zur Uebergabe aufgefordert. lsling die Besatzung ihre 
Schilde vor die Zinnen, dann sah der Gegner, dass sie zur äussersten 
Vertheidigung entschlossen War G). Uebrigens verhöhnten die Belager- 
ten auch gern ihre Feinde. Bei der Belagerung von Alengon ver- 
Spotten die Soldaten von der Mauer herab Wilhelm den Eroberer, 
Werfen ihni seine niedere Herkunft vor und reizen ihn durch unan- 
1) Titurel 3491 : Ein noklier behende tut friden kunt mit einen; pfelle blanken. 
 Dietr. Flucht 8148: Die richen burgaere Die vuerten vridebamier. 
2) Wolfdietr. Ä 402: D6 Wart ein fride gemachet und ein gesprächtac. Sehen 
der teidinge und meister Berhtune 13111210.  Rom. de '1'1'0ie 14531: trieve. 
3) Troj. 2904: Ze Troyge ein fride gegeben wart Z0 eime halben iare Bi hute 
wnde bi hau-e Und darzu bi der wide. -Pa.rton. 19350: Einvalteeliehe in gouches 
wis Gelebte er einen staeten fricle Bi dem swerte und bi der wide Vier Wochen 
sunder allen strit.  Dietr. Flucht 6947: Und gebuten einen vride, Der wart ge- 
bannen bi der wide.  Walberan 495: In Wart geboten ganzer fride Bi dem huJse 
und bi der wide.  Anelier, Guerre de Nnvarre 4281: Enpero los ricomes feron 
Sobrancerizr, Que fero fer tayllada, e ges no s convenia, Car negus" en las treugas 
re obrar ne devia. 
  4) Lanc. I, 34287: Si ontboden vrede 
lagen. 
5) H. Troj. 10716: Zwei Monate. T 
tragen Frid unde tue ein halbez jär. 
6) Vgl. S. 82. 
Schultz, höf. Leben. II. 
-xv- daghen Te ggrnvene de dode, die daer 
rTroj. 26924: Iedoch wart über ein ge-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.