Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1004012
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rung von Tortona 1154 suchte man erst das Flüsschen, das durch die 
Vorstadt floss, abzusperren, warf dann aber Leichen und Thiercadaver 
hinein, um es für die Stadtbewohner unbrauchbar zu machen 1). Aehn- 
lieh lässt der Dichter der Conqueste de la Bretaigne (2029-2289) 
Karl den Grossen handeln. Er belagert Quidalet und erfährt, dass die 
Stadt nur durch einen unterirdischen Canal mit Wasser versorgt wird. 
Uni denselben aufzufinden, lässt er auf Rath eines Ritters ein Pferd 
drei Tage lang mit Heu, Hafer und Gerste füttern, es aber nicht 
tränken. Dann wird das durstende Pferd freigelassen und es spürt in 
der That die unterirdische von Marmor überwölbte Quelle auf, aus 
der nach der Stadt das Wasser in kupfernen Röhren geleitet wird. 
Dadurch, dass man allen Lagerschmutz in die Quelle wirft, wird das 
Wasser ungeniessbar gemacht. 
Die Belagerten suchten sich dadurch zu schützen, dass sie die un- 
nützen Esser, die „genz qui ne font riens fors niengier", wie Guiart sagt, 
hinausjagten. Das thaten z. B. die Engländer, als die Franzosen das 
Schloss Gaillard 1204 belagerten; Philipp August lässt die armen Leute 
passiren, aber beiiehlt dies in Zukunft nicht mehr zu dulden 2). Als dann 
wieder der Commandant der Burg, Roger, an 400 unbrauchbare Esser hin- 
auswies, wurden dieselben von den Franzosen nicht durchgelassen, von 
den Engländern nicht wieder aufgenommen, und so mussten sie zwischen 
den feindlichen Lagern drei Monate lang elend das Leben fristen. Durch 
konnten sie nicht, denn die Franzosen hatten Gaillard mit doppelten 
Gräben, über die Zugbrücken führten, und mit sieben hölzernen Castellen 
(brestachiae) cernirt (Guil. Brito, de Gestis Philippi Augusti; Duchesne 
V, 85). Friedrich II. gestattete auch 1241 nicht, dass die aus Faenza 
herausgeschickten Frauen, Kinder und Mägde durch die Linien des 
Belagerungsheeres durchgelassen wurden, sondern zwang sie in die 
Stadt zurückzukehren (Matth. Paris). Durch Abschneiden des Wasser- 
zullusses zwang 1118 Heinrich I. von England Alencon zur Ueber- 
gabeii). Haldensleben dagegen eroberte der Erzbischof Wichmann von 
Magdeburg 1181 dadurch, dass er den Fluss, ich denke die Ohra, durch 
ein Stauwerk die Stadt überschwemmen liessi). 
"Wenn die Belagerer nachlässig sind, sich nicht gehörig ver- 
1) Ottonis Frising. Gesta Frid. II, 16: Iniciuntur ibi honlinum pecorlun foetida 
et putrescentia eadavera. 
2) Guiart I, asßo.  
3) Ordericus Vitalis XII, 8.  S. Bd. 1, S. 15, Anm. 1. 
4) Ann. Peguv. 1181: Nova igitur et a. saeculis nunquam experta vel audifa 
arte, conclurlens meatum vel alveuln Hmninis. 
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