Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1001027
Lanzenschaft. 
Uraste Gentesin  und Aurminzirlore 2). Beide Ortschaften werden 
wohl im Orient zu suchen sein; bei der Verdrehung des Namens, wie 
er uns vorliegt, lässt sich jedoch einstweilen nichts Sicheres ermitteln. 
Schade, dass keiner der französischen Dichter dieser Lanzen Erwähnung 
thut; wir würden von ihnen, wie auch in anderen Dingen, eine be- 
stimmtere Auskunft erhalten. Da also, im Orient, gedeiht es in einem 
von wilden Bergen umgebenen Sumpfe und muss erst zehn Jahre 
wachsen und von der Sonne geglüht werden, ehe es die gehörige 
Festigkeit erlangt 3). Dann aber ist es so hart und so scharf, dass die 
daraus gefertigten Lanzen auch ohne Speereisen zu brauchen sind K1), 
die Splitter des Schaftes noch schneiden und zu verwunden ver- 
mögen  Man könnte zunächst annehmen, dass diese Lanzenstangen, 
aus einem starken Schoss des spanischen Rohres (Arundo Donax) ge- 
schnitten waren; allein die Splitter dieses Rohres werden schwerlich 
Schild und Harnisch zu versehren vermögen. Es ist deshalb wahr- 
scheinlicher, dass vom Bambusrohre die Rede ist, dessen kieselhaltige 
Rinde sehr hart und scharf zu schneiden geeignet ist. Die Lanzen- 
spitzen dieser Waffenstücke wurden in Angram G) geschmiedet und 
Wahrscheinlich an den Rohrschäften schon befestigt mit in den Handel 
gebracht, so dass man allenfalls auch eine solche Lanze als „ein roariu 
sper von Agram" (Reinfried 17333) bezeichnen kann. Diese Rohr- 
lanzen boten wahrscheinlich den Vortheil, dass sie leicht waren und 
nicht so bald beim Anprall an den feindlichen Schild zersplitterten, 
sondern sich bogen und dann elastisch wieder in ihre rechte Lage 
zurückschnellten. Aber grade diese Elasticität muss die Kraft des 
1) Parz. 385, 5: Dö lerte Meljzmzen pin Von Oraste Gentesin Der starke roc- 
rine Schaft; 335, 19: er dö nzun ZweH schiirpüu sper von Angraan, Stare rcerine 
schefte drin Von Omste (lentesin Üz einem heidenschcn 1111101".  Willeh. 362, 
10: Der künec Nöupautris Von Omste Gentesin Wart mit speren rmrin Mzmnliche 
dü. gerochen. 
2) Tit. 3269: Ir sper sint gar von rore und zmont sich glevine, UZ Hllrlllinzi- 
dore und da die von orastegintesine. 
3) Tit. 3271: Under bergen Wilde in der WELZZG)! muore (Druck: nauere) Dar 
sunne nie gezilrle von der berge hohe ruore (D12: ruere), Daz ror die cmft vor 
zehen iar üeuset, Ob ez die niht V01 wchset: von sunnenschein ez dise craft er- 
keuset; 3272: Ie herter und ie herter Wirt ez von der Sunllen Und iC 1181m 
seherter; 3989: Korallen art die strenge was daz ror, durch isen unerwendet, Für 
daz ez enpfand Zehen jar der sunnen. 
4) Cf. Anm. 2. 
5) Willeh. 362, 24: S6 diu sper Wärn zebroehen, Der trunzün schilt noch har- 
nnsch meit: Des röres scherpfe beidiu sneit. 
6) Purz. 335, 20; 384, 30; 703, 24.  Wigal. p. 254, 27; p. 272, 7; p. 281, 9. 
Q 1'
        

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