Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1001011
Lanzensclaaft. 
Aber freie Phantasie des Dichters ist es wohl, wenn er von Lanzen 
aus Ebenholz 1) oder aus Elfenbein 2) erzählt. Schon die Länge des 
Speerschaftes war viel zu bedeutend, als dass derselbe aus einem ein- 
zigen Elephantenzahne hätte geschnitten werden können, und ein zu- 
sammengestückter Schaft hätte im ernstlichen Kampfe, wenn auch der 
Dichter das Gegentheil versichert 3), schwerlich sich als loraktisch be- 
währt. Indessen mag immerhin auch dieser Erzählung etwas YVahres 
zu Grunde liegen, vielleicht hatten die Kreuzfahrer bei den Sarazenen 
Paradelanzen aus Elfenbein oder aus Narwalzahn gesehen  der 
Ausputz der Lanze mit buntem Seidenstoff scheint mir auch auf den 
Orient hinzudeuten 4)  und die Dichter machten sofort von den Be- 
schreibungen jener morgenländischen Kostbarkeiten für ihren Zweck 
Gebrauch. Auch die Fischbein-Schäfteä), denen wohl die hörnenen 
Lanzeustangen 6) beizuordnen sind, haben gewiss immer zu den Selten- 
heiten gehört. Dasselbe gilt von den Schäften aus dem wohlriechenden 
Al0äh0lz7). Dagegen waren Lanzenstangen aus Rohrs) wirklich im 
Ürient im Gebrauch Ü) und mögen hin und wieder vielleicht auch in das 
Abendland importirt werden sein. Das Rohr wuchs in einem Sumpf zu 
1) Rom. de Troie 18656: D'une grzmt lance (Pebenus. 
2) Virginal 6, 4: Er vuorte ein sper wiz unde rein, Dzw, was lüter von helfen- 
bein.  Biter. 2193: Von nagele huop er einen Schaft, Der an versuoehte er sine 
kraft; Der was von helfenbeine; cf. 11967. 
3) Biter. 2199: Von drien stüeken was der schaft Von des selben heldes kraft, 
Der menge tjest dä, lnite reit. 
4) Eiter. 2301: Der Schaft der was oueh überzogen (Daz maere daz ist unge- 
logen) Mit einem phelle tüsenvar, Dez des nieman wart gewar, Daz er von helfen- 
beine schein. 
5) Biter. 11896: Eins Wales einen Schaft guot Fuorte der degen vischin. 
6) Apoll. 19155: Gip mir von Syriä, Min guot hürninez sper.  Biter. S80: 
Einen Schaft hurnin.  Biber. 7084: Einen sehaft, was läsürvar, Vil stark und 
zaehe hurnin. 
7) Willeh. 444, 15: Und der schaff; lign 416a.  Titur. 2308: Die scheftn 
lignum aloe; 2958: Lignuln zu dem sehafte von aloe des Waldes. 
8) Willeh. 23, 22: Sin Schaft was roerin ime sper, Und daz ysen scharpf unde 
breit.  Parz. 41, 23: Ein sper dem was der sehaft ein rör; 78, 30: Den künee 
von Arragün er stach Hinderz ors mit eiJne rör.    Er hetz bräht von 
der heidenschaft; 79, 28: W01 spers lanc, Daz in ein rör gesehiftet was; 480, 7; 
Der trunzün was roerin.  Ulr. v. d. T. Wilh. d. H. p. 32: manigen rorinen 
schärft.  Ludw. Kreuzfahrt 1475: Ez furte der manliehe In siner hant von ror ein 
sper Stark tzu bracht nach siner ger.  Alix. p. 114, 30: Sa. lance ne fu mie de 
snp ne de fusain Mais une cane roide, norie en son train. 
9) Itinerarium Regis Rieardi, lib. IV, c. 8: Turei fere sunt inermes, arcum 
bantum gerentes, et elavam laraeaeutis dentibus hirsutam, et gladimn arundineum 
etimn hastile cuslaide ferrate, et eultelhnn leviter appensuln; lib. IV, e. 33: Tur- 
eorum eqnites    singuli tenentes lancemn arundineam et arcum.
        

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