Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003802
Seeysturm 
Schiffbrüchige. 
297 
(Aetnafvor Anker gehen mussten. Am folgenden Tage, das heisst 
am grünen Donnerstage, bestimmte er, der die Winde zurückhält 
und aus seinem Schatze wieder hervorgehen lässt, uns einen Wind, 
der den ganzen Tag anhielt, aber doch zu wenig ausreichte und die 
Flotte nur mässig vorwärts trieb. ln der folgenden Nacht schlief er 
ganz ein. Am Karfreitag aber erhob sich ein heftiger conträrer 
Wind und trieb uns nach links, 
Reizte das Meer, das darob aus tiefstem Grunde erkochte, 
indem die Fluthen sich überstürzten und der Sturm anschwoll. Das Getöse 
der zusammenschlagenden Wogen, das Stöhnen der Schiffe unter der 
Gewalt des Sturmes, das setzte Alle in nicht geringe Angst. Bei der 
übermässigen Macht des einstürmenden Orkanes hörte aller Dienst 
der Seeleute auf; denn so herumgeschleuderte Schiffe konnte das 
Steuer nicht mehr regieren. Ins Ungewisse werden sie getrieben, die 
Reihe der Schiffe gebrochen, die nach verschiedenen Richtungen hin 
verschlagen werden; Gottes Steuer allein vertrauen sie, an menschlicher 
Hülfe schon verzweifelnd. Soweit es die menschliche Schwäche zuliess, 
beschlossen wir alles geduldig zu ertragen, im Hinblick auf unsren 
Erlöser, der an diesem Tage für uns gnädig das unverdiente Leiden 
getragen hat. Vereinzelt irren die Schiife umher, nach verschiedenen 
Richtungen zerstreut; die Magen der Leute werden bei dem so starken 
Herumwerfen krank, die Beschwerden veranlassen Erbrechen, und schon 
ist der geringste Theil von kranken Leuten nicht zu unterscheiden. 
Als aber der Abend herankam, beruhigte sich der Sturm einigermassen, 
und auch das Toben des Meeres milderte sich. Da der Wind in er- 
wünschter Weise günstig blieb, so kamen die Schiffer wieder zu Kräften, 
fassten Muth und strebten auf dem rechten Wege vorwärts zu kommen" 
(ltin. Reg. Ric. ll,  Auch im Titurel wird uns (2530 ff.) ein ge- 
waltiger Seesturm beschrieben. Man sucht die Schiffswände zu ver- 
stärken, aber verliert endlich den Muth: „Malevant, altut est mortelfi). 
Nicht genug, dass die Schiffbrüchigen mit den Elementen um ihr 
Leben zu ringen haben: am Gestade, das sie glücklich erreicht, er- 
warteten sie vielleicht noch grössere Gefahren. Nicht allein die 
gestrandeten Güter wurden vom Landesherrn in Anspruch genommen, 
selbst die Personen der Geretteten verfielen nach altem Brauche dem 
1) Tit. 2532: Die olfencier die waligten und schozzen, Der luft und die Wolken 
mit trube gar da wurden under gozzen. (2533) 'Oyme' sie schrieren Alle; 1112m lie 
cüe segel nidere, Die wende gein wazzer falle man spengte; W01 sie liefen her 
und. widere. Malevant, altut est morte 1'  Tit. 5557: Altut est morte.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.