Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003791
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Seekarten. 
Polarstern. 
Magnetnadel. 
so kurz im Sommer sind, dass es keine Nacht giebt, in der man nicht 
die Helligkeit des scheidenden und des anbrechenden Tages sieht" 
(Joinv. 493: que l'on ne veist 1a clartei dou jour a Yanuitier et la 
clartei de liajournee). 
Seekarten, Portulani, kannte man sehr wohl (vgl. S. 209). Für 
gewöhnlich orientirte man sich in sternhellen Nächten nach dem 
Polarstern, der nach Norden, dem Tremontane wies 1). Derselbe heisst 
auch Leitestern oder Meerstern (Mhd. Wtb. H2, 621;  tresmontaine, 
Bible Guiart628). Er wird n1it dem Astrolabium, der Sphaera, beobachtet?) 
Bei bewölktem Himmel ist es aber unmöglich, sich nach den Ge- 
stirnen zu richten; erst die Einführung des Compass, der Magn etnadel, 
setzte die Schiffer in den Stand, ihren Curs auch bei schlechtem Wetter 
zu finden. Gniot de Provins kennt die Magnetnadel schon, erwähnt 
sie in seiner Bible (633 ff. Barbazan u. Meon, Fabl. H, 528) und erzählt, 
wie der Papst sich ihrer Einführung widersetzt; wir haben aber auch 
deutsche Zeugnisse dafür, dass wenigstens im dreizehnten Jahrhundert 
der Gebrauch des Compass nicht mehr unbekannt war 3). 
Die Ruder der Schiffe werden nur ausnahmsweise angewendet, 
etwa in der Schlacht, um unabhängig vom Winde manövriren zu 
können; für gewöhnlich verliess man sich auf den Wind und segelte. 
Bei Windstille blieben die Schiife liegen, oder gingen, wenn sie einen 
passenden Platz fanden, vor Anker. 
Am 10. April 1191 segelte Richard Löwenherz von Messina ab. 
„Da merkten wir plötzlich, dass der Wind aufhörte, so dass wir noth- 
gedrungen unbewegt zwischen Calabrien und dem Monte Gibello 
1) Parz. 715, 15: Staate ane wenken sus, Als pölus artantieus Gein dem tre- 
montäine steh. 
2) Titur. 2631: Swo si der erde zehen rast enbaren, S0 wart nie freis grozzer, 
danne die mit sturem kunden varen. (2632) Des namen guot merke die wisen 
marnere, Von kunste hoh mit sterke sie begunden ahten maniger hande swere 
Und kerten doch ie mitten gein dem lande, Swenn sie dem naher waren den zehen 
raste, zu hant man freise niht erkande. (2633) Und der sterne louffe der kuenste 
meister drie. Die weren in richeln kouPfe, die alle Waren geleret in arabie, Die 
begunden lesen und an ir kunst Versuchen Mit spera cirkel schinben, durch 
wunder wolten sie der arbeit ruchen. 
3) Titurel 2645: Sie warf der wint die virre in einer kurtzen wile; Die mar- 
ner wurden irre, Wa si Waren und wie manieh hundert mile Sie zum nehsten lande 
mohten reichen. Sie Westen niht der mere, ob sie genesen alle vor grozzen Zeichen. 
(2646) Ez gienc in an die neige, sie waren freuden ane; lr meisterliche zeige mit 
der nadel nach dem tremontane Was verloren.  Reinfr. 27222: Die marner 
si ouch schiben Wol konden na der sterne brehen. Sö si niht mohten der ge- 
sehen, Weder gröz noch kleine, Na dem agesteine Und ouch der nädel isen 
kunden si sich wisen Schön in dem rehten furtef
        

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