Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003431
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Behandlung der Kriegsgefangenen. 
und Halseisen und liess die Ketten der Sicherheit wegen wohl gar 
an der Wand des Kerkers festschmieden 1). Geringere Leute wurden 
paarweise zusammengeschlossen und Wunderbarer Weise zum Sicher- 
heitsdienste in den Schlössern verwendet 2). Sie sind in schlechte graue 
Kleider gehüllt und tragen rindslederne Schuhe 3). Im Meleranz (67641?) 
wird uns die Lage der Kriegsgefangenen geschildert. Je zwölf sind 
an eine Kette angeschlossen und stehen unter einem Aufseher; ihr 
Essen müssen sie sich erbetteln und werden zu strenger Arbeit, zum 
Brechen von Bausteinen u. s. w., verwendet4). Am schändlichsten be- 
handeln die Italiener ihre gefangenen Landsleute. S0 waren 1250 Par- 
mesen in die Hände der Cremonesen gefallen. Die Annales Parmenses 
majcres berichten 1253: "Die Gefangenen, die von Cremona und Borgo 
(San Donino) zurückkehrten, waren 318 an der Zahl. Alle andern 
waren gestorben in besagten Kerkern an den schweren und. unerträg- 
lichen Qualen, die man ihnen anthat  denn täglich wurden sie auf 
Folterrosse (cavaleti, Bd. I, S446) gesetzt und auf Destraef?) in Kreuzes- 
form gehängt  an dem Mangel der ihnen oft versagten Lebens- 
mittel und an dem Gestanke der Leichen. Denn die Todten Wurden 
nieht eher fortgenommen, ehe nicht die Ueberlebenden deren Lösegeld 
bezahlt hatten, und Brot erhielten sie nicht; oft versteckten die Leben- 
den ihr Brot und andre Lebensmittel in den Leichen der Verstorbenen, 
damit die grausamen Wachen bei der Revision der Kerker es nicht 
fanden. Und die Kerker, in denen die von der Kjrchenpartei waren, 
hiessen die Hölle, und waren es auch in Wahrheit. Die Todten warf 
man, statt sie zu begraben, in den P0." Selten wurde ein vor- 
nehmer Gefangener besser behandelt, ihm gegen das eidliehe Ver- 
heren Waleweins broder Mordret, In starken boyen ende swaren Ende in vin- 
gherline die dobbel waren.  Rom. de Rou 15108: En 1a tour le rova garder Et 
en bones buies fermer. 
1) Oaes. Heisterbac. VII, 28: Habebat enim circa pedes annulos ferreos et 
circa brachium eiusdem generis manicam, quae annexa cathena parieti caute 
satis erat inüxa.  Ren. de Mont. p. 305, 20: En trois paires de bujes le {ist 
Karles entrer Et furent d'ambes pars 'bien batu et live. En    piler de chaisne 
les fait -iij- fois passer; En -j- grandisme tronc furent li coing ferme, Et li char- 
can del col sunt graut enchaiene, Et li moufies de fer li fait es mains fermer.  
Blancandin 3267: Moffles de fer et graut karkan Soifrir li font mult grant ahan. 
2) Gr. Wolfdietr. 1315: D0 hand sie dir gefangen dine dienstman, Ir zwen 
zusamen geschmidet, die muszen nahtes gan Uf der mure umbe schilüwähter 
Wesen. 
3) Gr. Wolfdietr. 1953: Die fürsten riten hohe ros und trugen rißhe kleider 
an, D0 tragen wir grawe röcke und buntschühe rindexin. 
4) Chans. d'Antioche I, 29: Chascuns est en aniaus et en buies 1a. mis, Chascun 
jor portent piere aus murs d'araine bis Et traient aus earues tote jor 00m roncis.
        

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