Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003400
Aerzte. 
Gefangene. 
Grausamkeit. 
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Aerzte, die aus der Uriuschau den Tod verkünden 1), die dem dicken 
Markgrafen Dedo, welcher seines Fettes wegen sie zu Rathe zieht, 1190 
den Leib aufschneiden und ihn zu Tode bringen (Chron. Mont. S812), nicht 
gerade besonderes Zutrauen verdienen. Da ist die Kur, die im Roman des 
sept sages (1479 ff.) einem sehr Wohlbeleibten Könige sein Seneschal ver- 
ordnet, doch verständiger. Er lässt ihn nämlich, allerdings nur eine 
Woche, Diät leben, sich allein von Wasser und Gerstenbrot nähren 
und dann tüchtig zusammenschnüren. Und viel können wir von den 
Aerzten nicht erwarten, die 1194 den Herzog Leopold von Oesterreich so 
elend umkommen liessen. Am 26.Dece1nber war er bei einem Ritterspiele 
vom Pferde abgeworfen worden und hatte den [Tnterschenkel gebrochen, 
dass die Knochensplitter eine Spanne lang aus der Haut hervorragten. 
Die herbeigerufenen Aerzte ordneten das Nöthige an, amputirten aber 
den Fuss nicht. Den nächsten Tag war der Fuss schwarz geworden, 
und nun galt die Amputation für unerlässlich, aber keiner wagte sie 
auszuführen. Da setzte der Herzog selbst das Beil auf sein Schien- 
bein, sein Kämmerer schlug dreimal mit einem Hammer darauf, und 
so wurde das kranke Glied endlich abgenommen. Die Aerzte verbanden 
die Wunde, fanden aber am nächsten Tage schon den Zustand des 
Kranken hoffnungslos; er starb am 30. December 1194 (Guilelmi Parvi 
de Newburgh Hist. Anglicana; Chron. Rogeri de Hoveden). 
Wenn also die Verwundeten, selbst des höchsten Ranges, die 
solchen Aerzten in die Hand fielen, so wenig vor Gefahren geschützt 
waren, so mag die Masse der blessirten Soldaten, denen doch gewiss 
nicht eine so aufmerksame Piiege zu Theil wurde, recht übel daran 
gewesen sein. Und eben so wenig beneidenswerth war das Loos der 
Gefangen en, die nach altem Brauche dem Kriegsherrn angehören, wäh- 
rend ihre Rüstung denen zufällt, die sie bezwungen haben 2). Friedrich 
Barbarossa liess 1161 sechs gefangenen Mailändern je ein Auge aus- 
reissen, sechs andern die Nasen bis zur Stirn abschneiden und ein 
Auge ausstechen, sechs andere auf beiden Augen blenden (Ann. MBdiOI- 
Libellus Tristicie 21). 
So war denn die Grausamkeit, mit der Richard Löwenherz 1198 
gegen die gefangenen französischen Ritter verfuhr, durchaus nicht un- 
L 
1) Gesta Adalberonis (T 1152) Auct. Balderico 28: a. medico suo peritissimo 
Philippo Lombardo, qui et urinae suae inspeetione mortem eins tribus diebus ante 
predjxerat.  Matth. Paris 1087: Consulti autem medici ex urinae inspectione 
mortem citissimam (Guilelmi regis) praedixerunt. 
2) Garin II, p. 194: 11 est costume (sagt Pipin) en eest nostre paiis: Uernoig 
est vostre et miens .en est li pris. 
Schu1tz,höf.Leben.lI. 17
        

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