Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003278
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Geschütze. 
Schlachtgesang. 
beschlagen, dass er mit Schwertern oder Beilen oder durch Feuer 
nicht beschädigt werden kann. Auf dessen Spitze befestigt, wehte 
die königliche Fahne, die man gewöhnlich das Banner nennt. Zum 
Schutze dieser Fahne pflegt zumal bei einer Feldschlacht eine Abthei- 
lung erlesener Ritter commandirt zu werden, damit sie nicht beim 
Angriff der Feinde beschädigt oder gar umgeworfen wird; denn sollte 
sie durch einen Unfall umgeworfen werden, so wird das Heer zerstreut 
und kommt in Unordnung, da nicht mehr sichtbar ist, wohin es sich 
zu flüchten hat, und sie meinen in ihrer Verzagtheit, dass auch der 
Heerfiilzrer, dessen Feldzeichen sie nicht mehr aufgerichtet erblicken, 
überwunden sei. Und das Heer taugt zum Widerstande gegen den 
Feind kaum noch ferner, welches da aus dem Falle der Fahne mit Angst 
schliesst, seinem Führer sei ein Unglück widerfahren. wahrhaftig, so 
lange das Feldzeichen aufgerichtet bleibt, weiss das Volk gewiss, wo 
es eine Zufluchtstelle hat. Hierher werden die Kranken, die Ver- 
wundeten, die etwa in der Schlacht gefallenen, ausgezeichneten und 
erlauchten Krieger gebracht. Und weil es so fest gefügt als ein 
Wahrzeichen für das Kriegsvolk steht, darum heisst es Standarte 1). 
Auf Räder wird sie nicht unpassend gestellt, damit sie je nach dem 
Stande des Gefechtes bald wenn die Feinde weichen vorrückt, oder 
zurückgeht sobald sie vordrängen." 
Am Anfang des vierzehnten Jahrhunderts, um 1304, nahm man auch 
schon Geschütze in die Schlacht mit, sowohl die schweren stein- 
werfenden Petrarien, als auch die leichten fahrbaren Epringales, mit 
denen Pfeile abgeschossen werden 2). Die Construction dieser Kriegs- 
maschinen werde ich im sechsten Capitel erläutern. 
Wenn nun die Gegner zum Gefechte bereit sind, so stimmen die 
Krieger ihren Schlachtgesang an, das Wicliet3). Die Normannen 
1) Beiläufig bemerkt, ist estandait von extenclere abgeleitet. 
2) Guiart H, 11573: Pres du roi devant 1a baniere Metent Franeois trois 
perdriaus, Getans pierres aus enniaus Entre Flamens grosses et males Joigxiant 
(Peus rot dem: espringales Que gargons au tirer avancent. Endroit eus in lancier 
commencent Selonc ce que voudrent 1i mestre; H, 8651: Et font Pespringale geter 
Li garroz qui lors de lä ist, Les plus viguereus esbahist; II, 9623: Espringales 
font leur servise Dont li garrot en maint lieu saillent; II, 9501: Li garrot em- 
pene (Tarain.  
3) Rolandslied 841: Uz there burh sie thrungen, Ire wicliet sie sungen; 3820. 
 Kaiserchronik 2054: Ir wicliet sie sangen, Sam dä. ein burc ist gewunnen; 5323: 
Die burc sie gewunnen, Ir wicliet sie sungen; 7135: Ingegen dem kunige sie 
drungen, Ir wicliet sie sungen.  Troj. 49038: Nü si gedrungen üf den se Mit in 
daz si heten dö, Si stiezen an und sungen hö Ir wicleich gar froeliche-Anonynmi
        

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