Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003254
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Schlachtordnung. 
stimmt (Ottokar von Steier CCCCXL; DCLXXXH). Vor der Schlacht von 
Bouvines 1214 (Guiart I, 675051) herrscht erst Stille, nur die Herolde 
rufen "Harou" und beklagen die unvermeidliche Metzelei, dann ziehen 
auch sie sich zurück (6760 Mes si tost con de 1a se fuient, Si comme 
il leur estoit inestier). Noch ist es Zeit zur Vorbereitung, und wie 
vor dem Einzelkampie steigen wohl die Ritter noch einmal ab und 
gurten ihre Sättel fester 1). Dann wird das Zeichen zum Angrif 
gegeben, die Fahnenträger senken die Lanzen und nun beginnt die 
Schlacht 2). 
Ueber die Taktik der damaligen Heerführer sind wir sehr mangel- 
haft unterrichtet. Die genaueste Beschreibung der Schlachtordnung 
finde ich im ltinerarium R-egis Ricardi, Welches lib. lV, cap. XVlll 
die Aufstellung des Kreuzfahrerheeres bei der Schlacht von Arsüf 
(T. Sept. 1191) schildert. „An diesem Tage", erzählt unser Gewahrs- 
mann, "führten die erste Schaar des Heeres die Templer; nach ihnen 
marschirten" reihenweise geordnet die Briten und die von Anjou; 
hinter ihnen kam in dritter Schaar der König Guido mit den Leuten 
aus Poitou; die vierte Abtheilung bilden die Normannen und Eng- 
länder, welche das königliche Banner tragen; den Schluss macht die 
Schaar der Hospitaliter. Die letzte Schaar war aus erlesener Ritter- 
schaft gebildet, in Schwadronen (turmae) geordnet gegliedert, in so 
dichten Reihen festgeschlossen, dass ein Apfel nicht zur Erde gefallen 
wäre, nur Menschen und Pferde getroifen hätte. Und vom Heere 
der Sarazenen reichte unser Heer bis ans Meer. Da konnte man die 
geschicktesten Gliederungen (distinctiones) sehen, verschieden gestaltete 
Fahnen und mannigfach geformte Heerzeichen, auch ein Volk voll 
Kraft, lebendig, muthig, zum Kriege gar tauglich. Da War der Graf 
von Leicester, Hugo von Gurnay, Wilhelm von Borriz, Wakelin von 
Ferrers, Roger von Tony, Jacob von Avesnes, der Graf von Dreux 
1) Dietr. Flucht 3733: Dö erbeizten si nider (Daz gevrumte si wol sider) Si 
gurten ir orsen baz. Islicher des niht vergaz, Er striete ouch die riemen.  Alix. 
p. 110, 9 ff. 
2) Biterolf 11939: Sus wärens bädenthalben gar Geliche gesehen-t als ein har, 
Her Gunther und die sine, Die recken von dem Rine: In der mäze kam ouch dar 
Dietleib mit siner Schar, Die leite dö her Rüedeger. Dö heiz der marcgräve her 
Den küenen Helphrichen Uf Ortwin den richen Mit dem vanen wenden. Der 
fuorte an sinen henden Des künic Gunthäres vanen. Man mohte in lihte gema- 
nen, Er was doch grimme gelnuot. Helpherich der degen guot Neigte daz Zeichen 
herlich. Dö daz gesach her Dietrich, D6 neigtens a1 gemeine. Dä, was ir deheine, 
Der vergaeze an der" haut, Dem wart ritterschaft erkannt, Siner baniere. Üi 
einander schiere Wärn die vanenmeister komen.
        

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