Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003216
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Vorbereitungen 
zur Schlacht. 
die Pferde nicht zur Hand haben, ihren Ueberfall nicht gewärtigen. 
Fünftens muss er fleissig erforschen, wann die Feinde einen langen 
Tagemarsch gemacht haben; dann sind sie ermüdet und die Pferde 
abgespannt. Wenn sie da angegriffen werden sollten, so werden sie 
schnell den Rücken kehren. Sechstens soll nach Vegetius der Heer- 
führer selbst oder durch Andere unter seinen Feinden und Gegnern 
Uneinigkeit und Misshelligkeiten zu veranlassen suchen, sie zu Streit und 
Feindschaft erregen, dass sie sich unter einander nicht mehr trauen. 
Wenn er dies nämlich gethan hat und sie dann angreift, so werden 
sie, weil sie zu einander kein Zutrauen haben, leicht in die Flucht 
geschlagen werden. Aber diese Massregel ist, obgleich sie Vege- 
tius vorbringt, nicht hoch anzuschlagen, denn sie scheint dem 
Anstande (den guten Sitten) zu widersprechen. Siebentens 
muss er sorgfältig erkunden die Lage der Feinde, wie es ihnen geht, 
wie sie sich behaben, wer ihr Anführer ist, auf wen der Anführer am 
meisten traut, wie ihre Sitten sind. Denn wenn man die einzelnen 
Verhältnisse erforscht hat, dann findet sich leichter ein Weg, die Feinde 
zu bekämpfen und zu bekriegen." 
Aegidius giebt dann im funfzehnten Capitel sehr verständige Rath- 
schläge für den Fall, dass es der Feldherr für angemessen erachtet, einer 
Schlacht auszuweichen. „Die erste Vorsichtsmassregel muss er dem 
eignen Heere gegenübenanwenden. Denn wenn der Feldherr einen 
Kriegsrath abhält (und es wird beschlossen), dass nicht gekämpft 
werden soll, dann darf er das nur Wenigen offenbaren, es nicht dem ganzen 
Heere mittheilen, damit die Soldaten nicht aus Furcht fliehen und von 
den nachsetzenden Feinden niedergemacht werden. Der Feldherr muss 
also so verfahren, dass das Heer nicht glaubt, er wolle fliehen, sondern 
an einer anderen Stelle einen Hinterhalt bereiten und um so heftiger 
die Feinde bekriegen. Die zweite Vorsicht ist dem feindlichen Heere 
gegenüber zu beachten. Denn er muss den Krieg hinziehen, ohne 
dass die Feinde das merken. Darum betreiben das Viele lieber zur 
Nachtzeit als bei Tage, und Mehrere wenden die Vorsicht an, dass 
sie die Ritter in Schlachtreihe den Feinden gegenüberstellen und sie 
so hindern, die Fusstruppen zu sehen, die nun heimlich abziehen. 
Ist dies geschehen, so können dann leichter die Ritter die Vorstössc 
der Feinde vermeiden. Zu beachten ist auch, dass, wenn man so der 
Schlacht ausweicht, die Reihen niemals sich theilen und zersplittern 
dürfen, denn wenn die Feinde etwa die vor dem Kampfe Fliehenden 
verfolgen sollten, so würden sie mehr niedermachen und den Fliehen- 
dcn grösseren Schaden zufügen, als wenn diese Kehrt machten und
        

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