Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003204
Vorbereitungen zur Schlacht. 
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sie die erforderliche Ruhe genossen haben. Das Sechste ist die Liebe 
und Eintracht derselben. Denn wie körperlich getrennte Feinde leichter 
besiegt werden, um so schneller werden im Geiste und im Wollen 
entzweite Heere unterliegen; denn grösser als die Entfernung der 
Leiber wirkt da der Zwiespalt der Geister. Und hinwicderum: wenn 
die Feinde nicht zersplittert, sondern in einen Heereskörper geeint 
sind, so sind sie kriegstüchtig um vieles mehr, wenn sie sich unter 
einander lieben, einträchtig im Geiste und llvollen sind; weil sie mehr 
Vertrauen zu sich haben, werden sie auch mannhafter und tüchtiger 
zur Schlacht sein. Jede Liebe nämlich ist eine vereinigende Kraft, 
und die Liebe eint mehr der Liebenden Herzen, als die Lebens- 
gemeinschaft die Körper. Wenn daher Vereinigung an einem Orte 
und Zusammenwirken die Krieger stärker macht, so macht Liebe und 
Herzenseintracht sie inannhafter. Siebentens befördert die Macht- 
entfaltung eines Heeres der Umstand, dassAlles, was es selbst angeht, 
geheim gehalten wird. Denn e besser man die Lage der Feinde kennt, 
um so eher wird ein Weg gefunden, wie sie zu bekämpfen sind; je 
unbekannter aber ihre Lage ist, desto weniger weiss man sie zu 
bekämpfen. Nachdem nun aufgezählt wurde, was die Feinde "zunr 
Widerstande besonders fähig macht, kann man leicht begreifen, wie 
und in Welcher Weise man seine Feinde angreifen muss; denn da in 
den sieben angeführten Fallen die Feinde stärker sind, so muss man 
Sie angreifen und bekämpfen, sobald sie sich in der entgegengesetzten 
Lage befinden. Zuerst muss also der Feldherr durch Hinterhalte oder 
auf irgend eine andere Weise sorgfältig erkunden, wann die Feinde 
Zerstreut sind; dann muss er sie angreifen, weil sie keine Kraft zum 
Widerstand haben. Zweitens muss er fieissig ihre Märsche erforschen, 
den Uebergang über Flüsse, die Passirung steiler Berge, von WVald- 
engen, schwieriger Sümpfe oder Strassen, und da sich ihnen gegen- 
überstellen, weil sie so leichter besiegt werden. Drittens muss er auf 
die Zeit Acht haben; wann die Sonne den Feinden in die Augen 
scheint, der Staub und der Wind ihnen ins Gesicht Weht, dann soll 
er sie angreifen, denn sobald ihre Augen (lIITClI die Sonne geblendet, 
durch Wind und Staubbelästigt sind, können sie nicht gut sehen, 
Wie sie kämpfen sollen, und so werden die Feinde die Flucht ergreifen 
müssen. Viertens muss der Feldherr sich so mit der Zeit einrichten, dass 
er seine Leute speisen und ruhen, auch ihre Pferde sich erholen lässt, 
damit sie unvennuthet die Feinde überraschen können, dass sie dieselben 
angreifen, wann sie Speise zu sich nehmen oder wann sie schlafen, 
wann sie sich sicher glauben und unbewaffnet, müssig, ohne Schuhe sind,
        

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