Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003193
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Vorbereitungen zur 
Schlacht. 
zu verschieben. Wenn der einsichtige Heerführer das alles sorgsam 
erwogen hat, wird er ausreichend erkennen können, ob er eine offene 
Schlacht liefern soll. Je nachdem e1' sieht, dass er in Bezug auf 
mehrere der erwähnten Bedingungen Üeberfluss oder Mangel hat, so 
wird er sein Verhalten im Kriege einrichten können. Es wird nun 
Vielleicht niemals vorkommen, dass alle die besagten Bedingungen 
auf einer Seite zutreffen, wo jedoch die 111eiste11 und wichtigeren Be- 
dingungen zusannnentreffen, der Theil ist der stärkere im Kriege." 
lm vierzehnten (lapitel führt Aegidius dies noch Weiter aus: „Wie 
viele und welche Momente die Feinde stärker machen und auf wie 
viele Arten und in welcher Weise wir die Feinde angreifen müssen. 
Wie oben bemerkt, ist für den Feind nützlich, was uns schädlich 
ist, und umgekehrt. Was also die Feinde widerstandstüchtiger macht, 
das ist ihnen nützlich, das Gegentheil schädlich, schwächt sie und 
verringert ihre Widerstandskraft. Für jetzt können wir sieben Momente 
anführen, durch welche die Feinde den Angreifern überlegen sind. 
Erstens, wenn ihre Schlachtreihe geordnet ist. Denn da vereinte 
Tapferkeit, wie früher angedeutet wurde, stärker ist als zersplitterte, 
so werden gut vereinte und recht in Schlachtreihe aufgestellte Feinde 
beim Angriffe schwieriger besiegt. Zweitens vermehrt die Oertlichkeit 
die Widerstandskraft der Feinde. Denn an einem Orte können sie 
sich besser schützen als an einem anderen. Wie nämlich beim Üeber- 
schreiten der Flüsse, zwischen abschüssigen Bergen, während der 
Schwierigkeiten der Strassen die Feinde sich im Falle eines Angriffs 
schwerer vertheidigen können, da sie wegen des zur V ertheidigung 
ungünstigen Terrains nur zerstreut einherziehen müssen, und wenn 
sie da überrascht werden, sie schwächer sind zu kämpfen, so macht 
ein angemessenes Terrain sie tüchtiger zur Vertheidigung. Drittens 
die Zeit. Wenn der Wind den Feinden entgegen ist, der Staub ihnen 
ins Gesicht geweht wird, ihre Augen durch die Sonnenstrahlen ge- 
blendet werden, können sie weniger Widerstand leisten. Zu einer 
Zeit, wo ihre Gegner unter diesen Fatalitäten zu leiden haben, sind 
sie besser zum Kampfe geeignet. Viertens macht die X70raussicht des 
Kampfes die Feinde muthiger und tüchtiger zum Widerstandc, denn 
wenn sie sich vorsehen können und den Anmarsch der Gegner vorher- 
wissen, so sichern sie sich um so mehr und werden durch den Angriü" 
nicht so sehr erschreckt. Das Fünfte ist die erforderliche und an- 
gemessene Erholung (quietatio). Denn je mehr die Feinde durch 
Anstrengungen, Nachtwachen und andere Strapazen ermüdet sind, 
desto leichter werden sie im Falle des Angriffs eher besiegt, als wenn
        

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