Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003172
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Truppen anbelangt, so sind für unseren augenblicklichen Zweck sechs 
Punkte zu bedenken, wie auch für die unterstützenden und fördernden 
Momente sechs andere aufgezähltwerden können, die gleichfalls Beachtung 
verdienen. Im Allgemeinen also muss der König, der lilürst oder der 
Heeriiihrer, welcher wachsam, nüchtern, verständig und betriebsam sein 
soll, zwölf Punkte in Erwägung ziehen, bevor er beschliesst eine 
Schlacht zu schlagen: sechs betrelfen die Truppen selbst, sechs die 
Hülfsmomente. Sechs Punkte nämlich betreffs der Truppen sind 
massgebend für die Erkämpfung des Sieges. Erstens: die Zahl der 
Truppen. Denn wo die Truppen in grösserer Zahl vorhanden sind, 
da müssen sie, wenn alle anderen Umstände sonst bei beiden Heeren 
gleich sind, den Sieg erfechten. Denn wie man sagt: die Menge ist im 
Kampfe nützlich, wie ein grösseres Gewicht mehr anzieht. Zweitens ist 
bei den Truppen die Uebung in Anschlag zu bringen. Leute, deren 
Arme zum Schlagen nicht gewöhnt, deren Glieder zum Kriege nicht 
geübt sind, die werden schwach, sobald sie eine Schlacht aushalten 
sollen. Die Gewöhnung ist nämlich gewissermassen eine zweite Natur, 
so dass ein Jeder gewöhnte Arbeiten mannhafter, schneller, mit geringerer 
Anstrengung und Mühe verrichtet. Drittens ist die Ausdauer in der 
Ertragung der körperlichen Anstrengungen und Entbehrungen in 
Betracht zu ziehen. Wer im Heere auszieht, der muss viele Un- 
bequemlichkeiten ertragen; wenn hier also weichliche und weibische 
Leute sind, die sich scheuen einige Unbequemlichkeiten zu erdulden, 
so weigern sie sich, besiegt wegen der Unbequemlichkeiten, welche 
sie ertragen, zu kämpfen und fliehen aus dem Heere. Viertens ist 
die Tapferkeit und die körperliche Abhärtung zu bedenken. Denn 
es ist ein grosser Unterschied zwischen der Härte des Eisens und der 
Weiche der seidnen Stoffe, zwischen der Annehmlichkeit des Spieles 
und der rauhen Wirklichkeit der Schlacht (asperitas pugnae). Wenn 
man nämlich den Krieg so im Allgemeinen betrachtet, da wollen Alle 
Krieger sein; wenn sie aber dazu kommen, ihn im Einzelnen kennen 
zu lernen, und schmecken, wie hart das Eisen, wie schwer die Rüstung, 
wie gross die Anstrengung in der Schlacht ist, wie weh die von den 
Feinden geschlagenen Wunden thun, dann muss einer schon hartes 
Fleisch und einen kräftigen Körper haben, wenn er sich deshalb nicht 
lieber vom Kriegführen fern halten soll. Denn das ist selten, dass 
Leute mit weichlichem Fleische, nachdem sie den Krieg gekostet, sich 
noch nach Schlachten sehnen. Wie schon früher bemerkt, sind Leute 
mit weichem Fleische besser geeignet zu begreifen, aber in der Regel 
weniger brauchbar zum Kämpfen, denn sie ertragen schwerer die Last
        

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