Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003135
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thtdiensb. 
Einen nächtlichen Ueberfall zu machen, galt zwar den ritterlichen 
Heerführern für unpassend  doch konnte man nicht wissen, ob der 
Feind solche gentile Gesinnungen hegte, und es war deshalb immerhin 
besser, Vorsichtsmassregeln zu treffen, Wachen und Vorposten auf- 
zustellen. Das ist die Schildwache2), welche wohlgerüstet und 
wohlbewafinet das Eigenthum des schlafenden Heeres zu bewachen hat. 
WVenn eine bedeutende Truppenzahl, tausend Mann 3) oder gar tausend 
Ritter und zweihundert Schützen die Wache übernahmen, so haben 
sie wohl eine Art Feldwachen aufgestellt und Patrouillen (wartliute) 
zur Recognoscirung von diesen aus abgesendet, welche die Stellung 
des Feindes zu erkunden hatten 4). Am liebsten nahm man Leute, die 
das Terrain genau kannten. In dem Gedichte von Mai und Beaflor 
lagern die feindlichen Heere einander gegenüber: „Umb schiltwache 
schuof man de" (p. 112, 23). Graf Mai bittet den Kaiser (p. 112, 29): 
„Enpfilch die schiltwarte mir"; der Kaiser lehnt dies jedoch ab 
(p. 112, 33): „Wande dir ist umbekant Beide gemerke unde lant, Du 
solt ez niht vür übel hau. Wir suln die lantliute lan Hint der schilt- 
wache pflegen." Obschon die Nachtwache besonders vergütigt wurde 5), 
bestimmte der Feldherr nicht selbst die Wachtmannschaft, sondern 
überliess es den Helden, sich selbst zu dieser verantwortlichen und 
wohl auch gefährlichen Dienstleistung anzubieten 6). Der erfahrene 
Krieger wählte sich dann seine Begleitmannschaft selbst aus 7). Oder 
1) Gui de Nanteuil p. 73: Si fet plet, dist Ganor, ne nfiert ja reprou. Qui je 
par nuit m'en isse comme lerre prouves. Le inatinel a prime, quant soleil iert 
eves    Si vestes les haubers etc. 
2) Nib. Z. p. 280, 1.  Gr. Wolfdietr. 506.  Ottokar von Steier CCOLXI: 
Die da schilt-wachten, Auf sein gevert niht achten.  Lod. van Velthem lib. III, 
e. 36: Maer die gene hebben't vernomen, Die de seilt wachte daden.  Ohron. des 
dues de Norm. 19160: Reis Loewvis point ne se haite; La nuit {ist faire Pesehel- 
gaite. 
3) Parton. 19786: Er phlzue der sehiltwachte Mit tüsent inannen wol bereit. 
4) Mai u. Beaii. p. 113, 26: Hin riten die helde gemeit: Tüscnt riter höch- 
geniuot Und zwei hundert schützen guot. Ir wartliute si vür Sanden, Die wol 
diu lant erkanden.  Sie treffen endlich mit den Vorposten des Feindes zu- 
sammen. (Vgl. S. 212, Anm. 2.) 
5) Alphart 201.  Tanered erhitlt vor Antiechia für die Bewachung der Brücke 
monatlich 40 Mark (1600 RM.; Alb. Aqu. III, 45). 
ß) Alphart S7 : 'Da sult ir gein im senden ein reeken" üf die wart." (88) ÄWen 
so] ich gein iin senden"? sprach her Dietrich. 'Daz sult ir inich' sprach Alphart 
"ich wer ez endelieh. Ich tar wol bevinden des keisers gelegenheiti 
7) Alphart 53: Alsö sprach von Lamparten der edel keiser rich: 'Wen send 
wir üf die warte, ir recken lobelich?" Die küenen wigande sprangen an einen 
rine. "Ich wil die warte suochen" sprach ein herzoge, hiez Wüliinc. (54) Dö welte er 
von dem ringe zuo im ahzic man, Die sich mit Wülünge huoben hin dan Under
        

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