Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003124
Lagerleben. 
Abendgebet. 
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ritt; nur die Besonnenheit Wilhelmis des Preaux, der sich für den 
König ausgab, rettete ihn aus dieser Gefahr 1). 
Das Treiben in einem Feldlager lernen wir am besten aus Guiarts 
Beschreibung kennen, der (II, 10652 ff.) das Lager, welches 1304 die 
Franzosen vor Arras aufgeschlagen haben, schildert. Die Zelte sind 
in Reihen und Strassen geordnet aufgeschlagen (10655: par arees et 
par seillons); wer kein Zelt hat, baut sich eine Hütte aus Zweigen. 
„(10681) Im Heere hier und da in den Gassen treiben sich die guten 
geringen Leute herum, die von der Arbeit ihres Leibes leben und die 
des Gewinnes halber dem Heere folgen. Die bauen Oefen und Back- 
öfen an den Gräben nahe den Strassenecken und beeilen sich dabei 
sehr. Da backen sie Torten und Pasteten. Schenkwirthe, deren viele 
in Schulden stecken, haben wieder auf Iiarren Tonnen mit Wein, 
den sie den verlangenden Soldaten aufgerührt sammt dem Bodensatz 
verkaufen. Die Anderen rufen ihr Godale aus, das, wie sie sagen, 
aus Arras ist. Da hört ihr alte Weiber in verschiedenen Tonarten 
schreien, die einen um Käse, die anderen um hartes und weiches Weiss- 
brod zu verkaufen." Die Ribauz spielen; es entstehen Schlägereien; 
aber alles endet gütlich, ohne dass die Obrigkeit einzuschreiten hat. 
Die Zeit des Lagerlebens wurde übrigens auch benutzt, die Soldaten 
auszubilden. Schiessübungen werden ausdrücklich erwähnt 2). 
Des Abends, ehe das ganze Heer im Lager zur Ruhe ging, hielt 
man, wie es scheint, noch ein allgemeines Gebet ab. Wenigstens 
fand während des Kreuzzuges im englischen Lager eine Art Gottes- 
dienst statt. "Es war Sitte im Heere, dass in jeder Nacht, ehe sie 
sich zum Schlafen niederlegten, ein dazu bestimmter Mann mit lauter 
Stimme inmitten des Heeres den gewöhnlichen Spruch rief: "Hilf, 
heiliges Grab." In diesen Ruf stimmten Alle ein, wiederholten ihn, 
streckten mit reichlichen Thränen die Hände zum Himmel empor und 
erflehten Gottes Barmherzigkeit und Hilfe. Dann hub der Herold 
selbst Wieder an, indem er wie vorher ausrief: "Hilf, heiliges Grab" 
und Alle wiederholten es; und als er gleichfalls zum dritten Male rief, 
so thaten es ihm Alle nach mit grosser Herzenszerknirschung und 
unter Thränen. Wer würde dies in solcher Lage nicht thun? da doch 
schon diese Thatsache zu berichten Thränen den Hörern entlocken kann. 
Durch diese Anrufung schien das Heer sich gar sehr gestärkt zu fühlenfß) 
1) Itmerarium Reg. Rio. IV, 28. 
2) Itin. Reg. Ric. I, 52: Dum se quidam ex nostris ephebi 
castr-a. ex condicto exercerent, sagittas ad. signa nlittentes. 
3) Itin. Reg. Ric. IV, 12. 
in planibie 
extra
        

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