Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003106
Weiber im Heere. 
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Ruthen gepeitscht, wieder Andere geschoren und gebrandmarkt, zur 
Zurechtweisung und Besserung des ganzen Heeres. Wenn sie sich 
bei der Unzucht betreffen liessen, so wurden sie Mann und Weib vor 
dem ganzen Heere nackt ausgezogen, ihnen die Hände auf den Rücken 
gebunden, dann peitschten sie die Stockknechte (percussores) mit 
Ruthen tüchtig und führten sie zwangsweise im ganzen Heere umher, 
damit die Uebrigen durch den Anblick dieser furchtbaren Strafe von 
solchem, so schmählichem Verbrechen abgeschreckt würden." 1) Weiber 
mussten allerdings in Menge im Kreuzheere sein, denn Albertus 
Aquensis erzählt schon vorher (II, 39), dass die Sarazenen unter 
Solyman das Lager des Boämund erstürmen „und mit Pfeilen 
und hörnernen Bogen Fusssoldaten, Pilger, Mädchen, Frauen, Kinder 
und Greise, keines Alters schonend, todtschiessen. Bestürzt durch 
diese Grausamkeit und durch den bevorstehenden schrecklichen Tod, 
eilten zarte und sehr vornehme Mädchen sich schönstens zu kleiden 
und sich den Türken selbst anzubieten, damit diese, zur Liebe ent- 
flammt durch die schönen Gestalten und besänftigt, sich der Gefangenen 
zu erbarmen lernen möchten." Wie schon bemerkt wurde, begegnen 
uns die Klagen über die Zügellosigkeit der Kreuzfahrer sehr häufig. 
Jedoch gab es unter denselben auch viele tüchtige, sittenstrenge 
Leute. Der Verfasser des ltinerarium Regis Ricardi, welcher 
das Treiben der Franzosen in Tyirus (V, 20) mit sittlicher Ent- 
rüstung schildert, erwidert (VI, 35) denen, Welche die Erfolge 
des dritten Kreuzzuges verkleinern: „Wir meinen, dass uns Glauben 
beizumessen ist, die wir gesehen und erfahren haben, welche An- 
fechtungen und Beschwerden sie ertragen haben, und behaupten 
kühn selbst vor den Ohren derer, die dabei waren, dass bei diesem 
Kreuzzuge hunderttausend Christen gestorben sind, weil sie in Hoff- 
nung auf die göttliche Belohnung sich. der Weiber enthielten, da sie 
es für unbillig erachteten mit dem Verlust der Keuschheit die Ge- 
sundheit des Fleisches zu erkaufen." Auch Friedrich von Schwaben, 
des Kaisers Sohn, starb 1190 in Akka. „Wie gross in dieses Mannes 
Herzen die Gottesfurcht gewesen, kann jedermann daraus ersehen, dass 
81' den Aerzten, welche. ihm Heilung in Aussicht stellten, wenn er 
"Tebus venereis uti velleti, antwortete, er wolle lieber sterben als auf 
der göttlichen Pilgerfahrt seinen Leib durch Wollust bedecken" 
(Ann. Colon. max). 
Aber im Allgemeinen waren die Heere, zumal die aus sehr zweifel- 
unnsis, 
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