Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1003028
Zelte. 
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geschützt werden; sobald es also regnete, wurden sie mit einer ledernen 
Decke überhängt l). 
Bei allen ausführlicheren Beschreibungen der Pavillons wird 
ausdrücklich erwähnt, dass sie aus zwei oder vier verschiedengefärbten 
Stoffen zusammengesetzt, dass vier bildliche Darstellungen auf ihren 
Wänden zu sehen waren; ich glaube daher zu dem Schlusse berech- 
tigt zu sein, das Pavillon für ein viereckiges Zelt zu halten; ob der 
Grundriss quadratisch oder oblong war, das ist von untergeordneter 
Bedeutung. 
Ausser den Pavillons finden wir nun noch einige andere Zelte 
erwähnt. Gezelt (afr. tente, ta11te) ist der allgemeine Gattungsbegriff. 
lm Willehalm werden aber noch Ekub, Treif, Tulant und Prey- 
inerun genannt 2) und diese Namen müssen bestimmte Arten von Zelten 
bedeuten. Des Preymerifms ist schon gedacht worden (S. 215); mit 
dem Tulant 3), das einzig und allein Wolfram erwähnt und das ich an 
keiner anderen Stelle gefunden habe, weiss ich nichts anzufangen. 
Der Ekub Wolframs jedoch entspricht dem altfranzösischen Aucube, 
der Treif dem französischen Tref4). 
Aucube ist das arabische Al-Qubbah 5), das Wort, von dem das 
spanische Alcoba, unser Alkoven, abgeleitet ist. Vielleicht bedeutet 
also Ekub, aucube, ein rundes Zelt, wie die der Araber ja heute noch 
1) Parz. 129, 18: Dä. was anderhalp der plan Mit einie gezelt gehäret, Gröz 
richeit dran gekeret. Von drier varwe sainit Ez was, höch unde wit. Üf den 
nwten lagen borten guot. Da liiene ein liderin huot, Den man drüber ziehen 
solte, Immer swenne ez regenen wolte.  Wigal. p. 276, 24: Von leder ein huot 
hienc da bi, Der daz gezelt machte fri Des regens, sö er nider göz. Gegen der 
snnnen stuont ez blöz. 
2) Willeh. 197, S: Man sah da rilich üf geslagen Anz velt, da der berc er- 
Want, Treif unde tulant, Ekub unde preymerün. Ouch sah des Heimriches snn 
Manie höh gezelt gesniten wit; 316, 6: Preymerümi und manc gezelt. Ekube, treif 
und tulant. 
3) San Martds (a. a. O. 303) Ableitung des Wortes vom aItfr. toulon 2 laetit 
tonneau; toulisse : toit, eouverture de inaison, erscheint 1nir durchaus nicht zu- 
treffend. Im Altfranzösisehen kommt ein ähnlicher Name für Zelt gar nicht vor. 
Wolfram hat wahrscheinlich wieder einmal das französische Original gründlich 
missverstanden und in seiner Verlegenheit ein Wort erfunden. 
4) Erec 3931: Tentes et pauoillons et trez; 4102: Tendre les aucubes de lin. 
 Chans. düäntioche III, 12: Et tres et pavillons et aucubes drechies.  Fiera- 
bras p. 155: Tente, ne pavillon, ne aueube, ne tre.  Ren. de Montauban 
P- 58, 10: Paveillons et aucubes et maint tref desploier.  Blancandin 4018: Si 
ont 101- aucubes drecies.  Riehars Ii biau 1597; Laissent aucubez, laissent, tres; 
2644: Viersent tre, viersent paveillon, Des aucubez les cordes trenchent. 
ä) Tentoiium pellibus vel corio factum (Castellius).
        

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