Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002989
Zelte. 
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mit gestickten Figuren verzierte Gezelte gab, das steht fest. Wenn 
daher die Dichter in ihren Beschreibungen auch noch etwas über- 
treiben, im Grunde haben sie auch hier nur wirklich Vorhandenes 
geschildert.  
Das Zelt des Aeneas können zwanzig Saunithiere nicht tragen 1); 
in der Virginal (124 ff. bis 127) wird eins beschrieben, welches einen 
Bogenschuss weit ist, vier Thürme hat, eine Kelnenate, einen Marstall 
und eine Kapelle mit Glockenthürmen enthält. Auch in dem vom 
Dichter des Ortnit beschriebenen Zelte, das aus Messina herstammt, 
haben hundert Ritter Platz 2), und im Godefroid de Bouillon (22030 ff.) 
wird gar das des Sultans geschildert, in welchem hundert Kammern 
sind, jede so gross, dass dreissig Mann in ihr Platz finden. Heinrich 
von Neustadt giebt sogar genau die Dimensionen vom Zelte seines 
Helden an (Apoll. 3837 Hi); es ist zwanzig Ellen hoch, zwölf breit 
und sechszig lang. Diese grossen Staatszelte heissen Pavillonsii) (ml. 
papilioncs), das des Heerführers scheint Wolfram von Eschenbach und 
zwar allein im Willehalin (197, '11; 316, 6; 461, 1; 464, 9) mit 
dem Namen preimerün zu benennen, den San Marte meines Erachtens 
richtig aus dem französischen Premerain erklärt. Das Pavillon war 
im Grundriss viereckig. Zeltstangen4) hielten den First des Zeltes, 
welcher mit goldnen Knöpfen 5), auf denen die Wappenthiere des Be- 
sitzers aus Gold getrieben angebracht 6) waren, noch reicher verziert 
1) Eneit p. 247, 10: Ez stunt dä man ez verre sach, Als ez ein turn Ware. 
Zweinzieh soumare Ne nrohtenz dar niht getragen. Ez wart üf einen berch gesla- 
gen An eine vile schöne stat, Als da Enäas bat, Üf einen vile höhen mast. Die 
snüre waren vile vast, Als sie von relrte solden sin. Der knoph der was guldin, 
Dar üffe saz ein guldin are. Daz gezelt was zweier vare, Zweier hande samit. 
Einen hof vil wit Slüch man uinbe daz gezelt Und bevienk ein inichel velt. 
2) Ortnit 363: manic härlich gezelt, (364) Als imz der rielie beiden ze Messin 
lieh gegeben, Der waren zwei von golde gestricket und geweben. Swenn man die 
zerbreite, ir dach den schaten truoc, Daz hundert ritter heten dar under rüms 
genuoc (365): Von helfenbeine stangen lüter als ein Spiegelglas. 
3) Erec 3931: Tentes et pauoillons et trez.  Fierabras p. 155: Tente ne 
pavillon, ne aucube, ne tre.  Parz. 59, 25: Manc poulün üf die plane; 80, 15; 
285, 15.  Cf. Ogerii Panis Ann. Januenses 1213: Boves, carros, carocios, tendas, 
papiliones, malas et arnesium totunr retinuerunt. 
4) Willeh. 234, ö: Mitananegein tiweren sarnit Daz velt was e bevangen Üf 
der heiden zeltstangen.  Wolfr. Tit. 155: Der was an die zeltstange vaste ge- 
bunden.  Vgl. Anm. 2.  Rom. d'Alix. p. 53, 29: Ißestace en fu d'iv0re a 
rice entalleure; Quant ele estoit drecie, il n'i paroit jointure. Li cies en estoit. 
d'or, tous ä. noeleure. 
5) Crane 1278: Einen gröten guldin clöt Men üf dem pawelüne vant. 
6) Parz. 278, 12: Über eins prunnen ursprinc Stuont ir poulün üf dem plan, 
Als oben ein trache in sinen klan Hets ganzen apfels halben teil. Den traehen
        

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