Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002975
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Zelte. 
Die Zelte der Fürsten und Herren waren überaus gross und prächtig. 
Schon Karl der Grosse hatte ein so herrliches Geschenk im J. 807 
erhalten 1); vom Zelte des Corbahan, das von den Kreuzfahrern er- 
beutet wurde, sagt Albertus Aqnensis (Hist. Hierosolym. lib. IV, c. 56): 
„es war wie eine Stadt mit Mauern und Thürmen aus verschieden- 
farbigen Seidenstoffen erbaut, in den zugehörigen Gassen fanden 2000 
Personen bequem Platz". Im J. 1189 wurde dem Kaiser Friedrich I. 
vom König von Ungarn ein Zelt verehrt, welches kaum auf 
drei Wagen transportirt werden konnte 2). Das Zelt, das Friedrich I. 
von Heinrich II. von England erhielt, bedeckte mehr als fünf Joche 
Landes 3). Noch kostbarer War das grosse Zelt, welches der Sultan 
von Babylon 1232 dem Kaiser Friedrich II. überschickte; es enthielt 
noch eine künstliche Uhr und wurde auf über 20000 Mark (800,000 RM.) 
geschätzt 4). Ludwig der Heilige sandte dem König der Tataren „ein 
Zelt in Form einer Kapelle, welches viel kostete, denn es war ganz 
aus gutem feinen Scharlach gefertigt. Und der König liess, um zu 
sehen, 0b er ihn zu unserem Glauben heranziehen konnte, in der be- 
sagten Kapelle Bilder anbringen (entaillier), die Verkündigung Unserer 
lieben Frau und alle die anderen Punkte des Glaubens" (J oinville 134). 
Der Erzbischof von Köln endlich hatte 1293 ein Zelt, das vierzig Fuss 
breit, hundert Fuss lang war 5). Dass es also sehr grosse, schwere, 
1) Einhardi A1m. ad a. 807: Munera, deferentes qune pftbßdiCtllS rcx impera- 
tori miserat, id est papilioneln et tentoria atrii mirzuc magnitudinis et pulchritu- 
dinis; emnt enim omnia. bissina, tam tentoria quam et funes eorum, diversis 
tincta coloribus. 
2) Ann.Co10n.1nax. 1189: Et in octava pentecostes occurrit eis rex Ungariae 
cum regina obtulitque imperatori tentoüum operosum, quod portare vix pdterant 
tria plaustra, et alia. insignia. 
3) Ligurinus VI, p. 365, 29: Nec minus Henrici, sub quo tunc dives agebat 
Anglia, contigerat legatos regis adesse. Hi quoque compositis mandata loquacia 
verbis Et preciosa suae portabant munera terrae. Quorum praecipuum miro spec- 
tanda. decore Scena fuit, cui nec similem spectanda priores Nec reor ulterius 
series ventura videbit. Materiam quaeris? peregrino stamine texta Creditur, artis 
opus, miras habuisse figuras. Pondus homo tolli manibus, nisuque nequibat; 
Arte levabatur, spaciosaque iugera Campi, Multorumque capax hominum, plus 
quinque tenebat. 
4) Ann. Colon. max. 1232: Soldanus Babilonie imperatori mittit tentorium 
miriiica. arte constructum, in quo ymagines solis et lune mote cursum suum et 
debitis spaciis peragrant, et horas diei et noctis infallibiliter indicant. Cuius ten- 
torii valor viginti millium marcarum preciun] dicibur transeendisse. Hoc inter 
thesauros regios apud Venusium est reposituln. 
5) Chron. Colmar. 1293: Coloniensis tentorium 40 in latitudinern, 100 pedes in 
longitudinem habuit.
        

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