Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002949
Karten. 
Recognoscirungsdetachements. 
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dawären, ihm kein Schaden zugefügt werden könnte. Daher sagt man 
auch im Sprichwort: wer ist bewacht, wird nicht verlacht. Immer 
also muss der Führer, dem so Vieler Leben anvertraut ist, aufmerksam 
und wachsam sein, damit die Feinde ihn nicht angreifen können, 
während er nachlässig, gleichsam im Schlafe ist. Es müssen der Heer- 
führer, die Obersten, die Hauptleute (centuriones et decani) und die 
anderen Vorgesetzten im Kriege die Ritter und die Fussknechte 
immer ermahnen, dass sie waifenbereit sind, damit, wenn ein schneller 
Angriff erfolgt, sie den Angreifern widerstehen können. So würde, 
gesetzt den Fall, eine plötzliche Attake geschähe, dieselbe gewisser- 
massen vorausgesehen sein und weniger Schaden thun. Achtens ist 
zu überlegen, worin das Heer besonders stark ist, ob es zahlreicher 
an Fussvolk oder an Reiterei ist. Reiter vertheidigen sich nämlich 
besser im freien Felde, die Fusstruppen jedoch in waldigem und 
bergigem Terrain. Je nachdem daher der Heerführer sieht, dass sein 
Heer Ueberiluss an Reitern oder an Fussvolk hat, wird er breite 
Strassen in der Ebene oder bergige, waldige Wege wählen, durch 
Gehölze ziehen und das Andere nach bester Erkenntniss besorgen." 
Zu den trelflichen Rathschlägen des erfahrenen Cardinals habe 
ich nur wenig noch zu bemerken. Es ist wohl zu beachten, dass er 
den Gebrauch der Terrainkarten so angelegentlich empfiehlt. Ob man 
thatsächlich öfter sich derselben bedient hat, das muss dahingestellt 
bleiben, da die Historiker uns über sie gar nichts überliefern. In- 
dessen ein Argumentum a silentio würde hier wenig beweisen. Aegidius 
sagt übrigens auch nicht, dass die Karten vielfach verwendet wurden, 
sondern hebt nur ihren Nutzen hervor. Dass es Seekarten, die so- 
genannten Portulanen schon damals gab, ist ja sicher, auch sind 
Weltkarten erhalten, warum soll man da nicht ebenfalls Terrainkarten 
entworfen und bei Feldzügen gebraucht haben. 
Wenn er dann die Nützlichkeit einer leichten Reiterei hervorhebt, 
S0 empfiehlt er nur, was die Heerführer schon von Alters her als 
praktisch erkannt hatten. Die expediti equites, welche so oft genannt 
Werden (s. Waitz a. a. O. 114, Anm. 1) scheinen, wie dies Aegidius 
Colonna verlangt, unter. anderen Diensten auch die der Eclaireurs 
geleistet zu haben. Diese Recognoscirungs-Detachements werden von 
den deutschen Dichtern "Vorriter" 1) genannt, von den Franzosen 
1) Lohengr. 5007: Posüner noch tampüren schal dorft nieman dä erschellen, Unz 
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